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Landingpage-Texte: Wann sich lange oder kurze Kopie lohnt
Copywriting & Webtexte

Landingpage-Texte: Wann sich lange oder kurze Kopie lohnt

Drei Unternehmen, drei gegensätzliche Ergebnisse – und alle haben ihre Conversion gemessen, nicht geraten. Moz verlängerte eine Seite um das Siebenfache und gewann 51,83 % mehr Conversions.

Qi Networks kürzte seine Landingpage drastisch und steigerte die Conversion-Rate um 70,1 %. Crazy Egg verzwanzigfachte die Textmenge und schoss um 363 % nach oben. Wer hier nach einer einfachen Regel sucht, sucht am falschen Ort.

Die Textlänge ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Hebel, der nur dann zieht, wenn du drei Variablen sauber trennst: die Komplexität deines Angebots, die Höhe deiner Conversion-Hürde – sprich: deinen Preis – und das Skepsisniveau deiner Zielgruppe. Wer diese drei Faktoren kennt, entscheidet die Frage „Kurz oder lang?“ in einer Minute. Wer sie nicht kennt, rät. Und Raten ist die teuerste Disziplin im Copywriting.

Die Psychologie hinter der Textlänge: Warum es kein universelles Maß gibt

Die Versuchung ist groß, eine pauschale Wortzahl als Goldstandard auszurufen. Foren liefern solche Zahlen gerne: „500 Wörter reichen immer“, „unter 1.000 Wörter für Short Copy, darüber Long Copy“, „2.500 Wörter sind optimal“. Das sind Wegweiser, keine Wahrheiten.

Die Realität ist psychologisch. Menschen lesen nicht „lang“ oder „kurz“ – sie lesen, bis ihre dringendste Frage beantwortet ist. Solange noch offene Einwände kreisen – „Was kostet das wirklich?“, „Passt das zu meiner Situation?“, „Was passiert, wenn es nicht funktioniert?“ –, scrollen sie weiter. Sobald der innere Dialog still wird, klicken sie auf den CTA oder schließen den Tab.

Was du also nicht misst, ist die Anzahl der Wörter. Was du misst, ist die Dichte der Information, die ein spezifischer Leser in einem spezifischen Moment braucht, um eine Entscheidung zu treffen. Diese Dichte ist hochvariabel – und sie verschiebt sich mit jedem zusätzlichen Einwand, den dein Text nicht antizipiert.

Eine Landingpage ist nicht „lang“ oder „kurz“ – sie ist entweder informationsdicht genug für den Einwand oder sie ist es nicht.

Genau deshalb scheitern A/B-Tests, die nur die Wortzahl variieren, ohne die Lesersituation zu verändern. Genau deshalb liefern Fallstudien wie Moz, Qi Networks oder Crazy Egg widersprüchliche Zahlen: Die Verantwortlichen haben nicht einfach die Länge getestet, sondern die Passung. Die Moz-Seite war nicht „zu kurz“ – sie war zu dünn für das, was Enterprise-Kunden wissen wollten. Die Qi-Networks-Seite war nicht „zu lang“ – sie war zu voll für Besucher, die ein akutes Problem hatten und nach der Lösung griffen, nicht nach der Begründung.

Hinzu kommt ein verbreiteter Denkfehler: Viele Marketer verwechseln Textlänge mit Textaufwand. Eine kurze Landingpage zu schreiben, die konvertiert, kann schwieriger sein als eine lange. Denn jeder Satz muss sitzen – es gibt keinen Platz für Nachbesserung im nächsten Absatz. Wer bei Short Copy spart statt verdichtet, produziert nicht Kürze, sondern Leere.

Auch Long Copy ist nicht automatisch gründlicher. Zusätzliche Absätze können Vertrauen aufbauen, Einwände beantworten und Unterschiede erklären. Sie können aber ebenso gut eine Entscheidung verschleppen, wenn sie nur wiederholen, was bereits gesagt wurde. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie viele Wörter kann ich unterbringen?“ Sie lautet: „Welche Information fehlt dem Leser noch, damit der nächste Schritt vernünftig wirkt?“

Wann Short Copy unter 1.000 Wörtern die Conversion-Rate maximiert

Short Copy ist kein Zeichen von Faulheit. Short Copy ist die richtige Antwort, wenn dein Angebot schnell verstanden wird, der Preis niedrig ist und der Handlungsdruck hoch ist.

Drei konkrete Szenarien, in denen du kurz schreiben solltest:

1. Akute Probleme mit klarer Lösung. Qi Networks verkaufte Notfall-Support bei E-Mail-Ausfällen. Der Besucher kam nicht zum Stöbern – er kam, weil sein Postfach brannte. Jeder Absatz, der nicht zur schnellen Lösung führte, kostete Conversions. Als das Team die Seite drastisch kürzte und auf das Wesentliche verdichtete – Problem, Lösung, CTA –, stieg die Conversion-Rate um 70,1 %. Nicht weil die Seite kürzer war, sondern weil die verbleibenden Wörter die einzigen waren, die der Leser in diesem Moment brauchte.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Bei einem akuten Problem akzeptiert der Besucher keine lange Herleitung, bevor du überhaupt sagst, was du anbietest. Er sucht Orientierung: Ist das für mein Problem gedacht? Kann ich jetzt handeln? Was passiert als Nächstes? Eine kurze Seite kann diese Fragen vollständig beantworten, ohne den Leser durch eine Markenstory, lange Produktgeschichte oder zehn Varianten desselben Nutzens zu schicken.

2. Niedrigpreisige oder kostenlose Produkte mit einfacher Wertproposition. Design Boost steigerte die Anmeldungen um 13 % mit einer kurzen Version, weil das Angebot selbsterklärend war und kein umfangreicher Vertrauensaufbau nötig war. Wer nichts zahlt, muss weniger überzeugt werden. Der psychologische Mechanismus dahinter ist simpel: Je niedriger das Risiko, desto weniger Rechtfertigung braucht der Klick. Ein Newsletter-Abo für null Euro erfordert keine dreiseitige Argumentation – es erfordert einen klaren Grund, warum sich die Anmeldung lohnt, und einen Button, der keine Fragen offenlässt.

Trotzdem heißt kostenlos nicht automatisch reibungslos. Auch bei einem Freebie können Fragen auftauchen: Muss ich meine Kreditkarte angeben? Wie oft bekomme ich E-Mails? Kann ich mich leicht wieder abmelden? Wenn diese Fragen relevant sind, gehören sie auf die Seite. Short Copy bedeutet nicht, Antworten wegzulassen. Es bedeutet, nur die Antworten zu geben, die für diese Entscheidung tatsächlich eine Rolle spielen.

3. Wiederkehrende Käufer mit hoher Vertrautheit. Wenn deine Zielgruppe dein Produkt bereits kennt und nur eine Variante, ein Update oder ein Bundle braucht, ist erklärender Text eher Lärm als Hilfe. Bestandskunden wollen wissen, was sich geändert hat – nicht, warum du grundsätzlich vertrauenswürdig bist. Hier reicht oft ein präziser Absatz, eine Übersicht der neuen Features und ein direkter CTA.

In all diesen Fällen kostet jeder Satz, der nicht zur Handlung führt, Aufmerksamkeit. Denn die Aufmerksamkeit auf einer Landingpage ist endlich: 57 % der Desktop-Besucher und 64 % der mobilen Besucher scrollen nicht über den ersten Viewport hinaus. Wenn deine Botschaft nicht in den obersten 600 Pixeln sitzt, ist sie für einen großen Teil der Besucher unsichtbar. Das ist kein Argument gegen lange Seiten – es ist ein Argument dafür, dass die ersten 600 Pixel auch bei langer Kopie die wichtigsten bleiben.

Bei Short Copy entscheidet außerdem die Reihenfolge stärker als die absolute Länge. Der Besucher sollte nicht erst nach unten scrollen müssen, um herauszufinden, was das Angebot überhaupt löst. Problem und Nutzen gehören nach oben, der nächste Schritt muss sichtbar und verständlich sein. Alles Weitere darf die Entscheidung unterstützen, aber nicht ihre grundlegende Logik verstecken.

Die Macht der Long Copy: Vertrauensaufbau bei komplexen Angeboten

Long Copy ist kein Zeichen von Geschwätzigkeit. Long Copy ist die richtige Antwort, wenn dein Produkt Erklärung braucht, der Preis hoch ist und die Kaufentscheidung den Leser etwas kostet – nicht nur monetär, sondern auch emotional.

Die gleichen drei Variablen, die Short Copy begünstigen, kehren sich hier um:

  • Hohe Conversion-Hürde. Sobald dein Angebot vierstellig wird, will der Leser verstehen, warum. Moz testete eine hochpreisige SaaS-Lösung, bei der Kunden den Wert gegen mehrere Alternativen abwägen mussten. Eine siebenmal längere Seite, die Einwände systematisch abbaute, steigerte die Conversions um 51,83 %. Der Grund ist nachvollziehbar: Je höher der Preis, desto mehr kognitive Arbeit muss dein Text leisten. Der Leser muss nicht nur verstehen, was du anbietest – er muss sich selbst davon überzeugen, dass sich die Investition rechnet. Dafür braucht er Details, Vergleiche und die Entkräftung seiner Bedenken.
  • Komplexität des Angebots. Crazy Egg verkaufte ein kostenpflichtiges Heatmap-Tool in einem Markt voller Gratis-Alternativen. Der Wert musste gegen den Einwand „Wofür zahlen, wenn es Google Analytics gibt?“ durchgesetzt werden. Eine 20-fache Verlängerung mit Anwendungsfällen, Datenvisualisierungen und konkreten Use Cases erbrachte 363 % mehr Conversions. Die Länge war hier nicht Überfluss, sondern Antwort auf eine echte Wissenslücke: Viele potenzielle Kunden verstanden den Unterschied zwischen „Seitenaufrufe zählen“ und „Nutzerverhalten sichtbar machen“ erst nach mehreren Absätzen mit konkreten Beispielen.
  • Hohe Skepsis der Zielgruppe. Wenn deine Zielgruppe schon dreimal von der Konkurrenz enttäuscht wurde, brauchst du nicht weniger Text, sondern mehr Glaubwürdigkeit. Testimonials, Studien, Garantien und Antworten auf typische Fragen – alles, was Vertrauen produziert, gehört auf die Seite. Das schluckt Wörter. Aber diese Wörter sind Investitionen, keine Kosten. Ein einziges glaubwürdiges Kundenzitat kann mehr Überzeugungsarbeit leisten als drei Absätze Eigenwerbung.

Long Copy funktioniert allerdings nur, wenn jeder Abschnitt eine Aufgabe hat. Ein Absatz kann den Mechanismus erklären, ein anderer kann ein Risiko entkräften, ein weiterer kann den Ablauf konkret machen. Was nicht funktioniert: dieselbe Behauptung immer größer zu formulieren und sie für zusätzliche Information zu halten. Die Seite wird dann zwar länger, aber nicht überzeugender.

Dabei gilt: Auch eine 5.000-Wörter-Seite muss Above the Fold gewinnen. Der erste sichtbare Bereich bleibt das Nadelöhr. Hier entscheidet sich, ob der Besucher scrollt oder abspringt. Die längste Landingpage der Welt ist wertlos, wenn der erste Screen langweilig ist.

Lange Texte sind kein Mythos. Sie sind eine Investition in Leser, die noch nicht bereit sind, aber bald bereit sein könnten.

Ein verbreiteter Einwand gegen Long Copy lautet: „Niemand liest so viel.“ Das stimmt – und ist trotzdem irrelevant. Denn die meisten Besucher lesen auch Short Copy nicht vollständig. Sie scannen. Sie springen zwischen Subheadlines, überfliegen Aufzählungen, bleiben an fettgedruckten Begriffen hängen. Long Copy funktioniert nicht, weil jeder Satz gelesen wird, sondern weil die Subheadlines allein schon ein Argument bilden und jeder Absatz dort greift, wo der individuelle Leser seinen Einwand lokalisiert.

Das macht die Länge zugleich zu einer Frage der Lesbarkeit. Lange Seiten brauchen visuelle Pausen, klare Zwischenüberschriften, konkrete Beispiele und Abschnitte, die nicht in abstrakten Versprechen stecken bleiben. Wer nur Fließtext verlängert, verlangt vom Leser unnötige Arbeit. Wer dagegen Argumente sichtbar sortiert, gibt ihm die Möglichkeit, genau die Information aufzunehmen, die gerade fehlt.

Die Rolle des Above-the-Fold-Bereichs und die Kunst der Subheadlines

Hier liegt einer der stärksten Copy-Hebel, den du unabhängig von der Gesamtlänge testen kannst. Above the Fold entscheidet in Sekunden, ob der Rest deiner Seite überhaupt eine Chance bekommt.

Ein primärer CTA im ersten sichtbaren Bereich kann besonders bei langen Landingpages einen messbaren Conversion-Lift ermöglichen. In einem beschriebenen Test lag der Zugewinn bei 17 %. Das ist ein möglicher Effekt einer klareren ersten Bildschirmansicht, keine allgemeingültige Garantie für jede Landingpage. Ob der CTA tatsächlich hilft, hängt unter anderem davon ab, ob das Angebot bereits verständlich ist, ob der Button zur Stufe der Kaufentscheidung passt und ob die Besucher an dieser Stelle überhaupt handlungsbereit sind.

Above the Fold ist also nicht deshalb wichtig, weil eine bestimmte Anordnung immer einen festen Prozentsatz liefert. Es ist wichtig, weil du dort die Eintrittsentscheidung des Besuchers beeinflusst: Versteht er das Angebot schnell genug, um weiterzulesen? Erkennt er einen plausiblen nächsten Schritt? Oder sieht er nur eine große Behauptung, ein dekoratives Bild und einen Button ohne klare Konsequenz?

Drei Elemente, die hier sitzen müssen:

  • Eine Headline, die das Problem in den Worten des Lesers formuliert – nicht in deiner Unternehmenssprache, nicht im Jargon deiner Branche, sondern in der Sprache, die dein Kunde selbst benutzt, wenn er sein Problem googelt.
  • Eine Subheadline, die das Versprechen in 10 bis 20 Wörtern zuspitzt und den Nutzen konkretisiert.
  • Ein CTA, der die Handlung benennt, nicht nur das Produkt („Demo ansehen“ statt „Mehr erfahren“).

Der CTA muss dabei nicht immer zum sofortigen Kauf auffordern. Bei einer erklärungsbedürftigen Software kann „Demo ansehen“ sinnvoller sein als „Jetzt kaufen“. Bei einem günstigen digitalen Produkt kann „Vorlage herunterladen“ die richtige Formulierung sein. Entscheidend ist, dass der Button die tatsächliche nächste Handlung beschreibt und nicht einen beliebigen Marketingbegriff verwendet.

Subheadlines mit 10 bis 20 Wörtern konvertieren in einzelnen Tests besser als Einzeiler und lange Absätze. Solche Ergebnisse solltest du als Hinweis auf die Funktion von Subheadlines lesen, nicht als starres Längenideal. Eine gute Zwischenüberschrift ist nicht deshalb stark, weil sie exakt eine bestimmte Wortzahl erreicht. Sie ist stark, weil sie den nächsten Abschnitt inhaltlich öffnet und dem Scanner genug Orientierung gibt.

Subheadlines sind gleichzeitig das Skelett langer Seiten. Sie strukturieren nicht nur visuell, sondern führen den Leser durch die Argumentation. Wer 3.000 Wörter ohne Subheadlines schreibt, baut eine Mauer. Wer sie in verständliche Wortblöcke gliedert, baut einen Pfad.

Gute Subheadlines haben eine Doppelfunktion: Sie sind gleichzeitig Navigation und Verkaufsargument. Wenn ein Leser nur die Headline und alle Subheadlines liest – ein realistisches Szenario –, muss er das Grundargument verstehen und den Mehrwert erkennen. Jede Subheadline sollte für sich stehen und gleichzeitig zum nächsten Abschnitt ziehen. Das ist die hohe Schule des Copywritings: Jede Zwischenüberschrift ist ein Mini-Hook, der das Scannen in Lesen verwandelt.

Ein praktischer Tipp: Schreibe deine Subheadlines, bevor du den Fließtext formulierst. Wenn die Kette aus Headline und Subheadlines allein schon eine schlüssige Geschichte erzählt, ist das Fundament stabil. Wenn nicht, fehlt es an Argumentationsstruktur – nicht an Textlänge.

Strategische Entscheidungshilfe: Drei Kriterien für deine Landingpage

Jetzt zur konkreten Entscheidungslogik. Beantworte diese drei Fragen in dieser Reihenfolge – die Antwort ergibt die Textlänge fast von selbst.

1. Wie hoch ist dein Preis?

  • Unter 50 €: Kurze Kopie reicht meist. Das finanzielle Risiko ist überschaubar, die Entscheidung oft impulsiver. Trotzdem solltest du die wichtigsten Einwände zu Lieferung, Ergebnis oder Rückgabe nicht einfach ausblenden.
  • 50 bis 500 €: Mittlere Länge. Erkläre den Wert, bleib aber kompakt. Der Käufer rechtfertigt die Ausgabe vor sich selbst, braucht aber einen soliden Grund und konkrete Informationen.
  • Über 500 €: Häufig längere Kopie. Der Leser braucht Vertrauen, Einwandbehandlung und Details. Hier entscheidet nicht nur der Impuls, sondern die Abwägung. Die konkrete Grenze hängt trotzdem von Angebot, Zielgruppe und Kaufanlass ab.

Der Preis ist dabei kein isolierter Schalter. Ein teures Angebot kann sich leicht verkaufen, wenn die Zielgruppe dich kennt und der Nutzen unmittelbar klar ist. Ein kostenloses Angebot kann dagegen viel Erklärung brauchen, wenn der Besucher skeptisch ist oder seine Daten nur ungern herausgibt.

2. Wie komplex ist dein Angebot?

  • In 15 Sekunden erklärbar: Short Copy ist ein guter Ausgangspunkt. Wenn du es nicht in einem Satz sagen kannst, sag es in drei – aber nicht in dreißig.
  • Es braucht Beispiele, Use Cases oder Datenvisualisierungen: Long Copy wird wahrscheinlicher. Der Leser muss den Wert erst begreifen, bevor er ihn bewerten kann.
  • Mehrere Zielgruppen oder Anwendungsfälle: Eine längere Seite kann helfen, solange die verschiedenen Wege sichtbar getrennt sind. Sonst liest sich jeder Besucher durch Abschnitte, die für ihn gar nicht relevant sind.

Komplexität bedeutet nicht automatisch, dass dein Unternehmen kompliziert sprechen darf. Gerade bei erklärungsbedürftigen Angeboten sollte der Text einfache Wörter verwenden und schwierige Zusammenhänge an konkreten Situationen zeigen. Long Copy ist kein Freibrief für Fachsprache. Sie gibt dir nur mehr Raum, um eine Sache sauber zu erklären.

3. Welche Skepsis bringt deine Zielgruppe mit?

  • Kaltakquise, neuer Markt, hoher Wettbewerb: Long Copy wird oft sinnvoll sein. Du baust eine Beziehung auf, die noch nicht existiert, und musst mehr Belege liefern.
  • Bestandskunden, etablierter Markt, hoher Handlungsdruck: Short Copy reicht häufig. Das Vertrauen ist da – es geht nur noch um den letzten Schritt.
  • Schlechte Erfahrungen mit ähnlichen Angeboten: Plane Raum für Beweise und Einwandbehandlung ein. Ein Versprechen allein wird hier nicht reichen, unabhängig davon, wie elegant es formuliert ist.

Hier die Entscheidungsmatrix für die Praxis:

SzenarioPreisKomplexitätSkepsisEmpfehlung
E-Mail-Notfall-SupportNiedrigNiedrigNiedrigShort Copy, unter 1.000 Wörter
Free-Tool-AnmeldungKostenlosNiedrigMittelShort Copy, maximal etwa 800 Wörter
SaaS-MittelklasseMittelMittelMittelMittlere Kopie, etwa 1.500 bis 2.500 Wörter
Enterprise-SoftwareHochHochHochLong Copy, häufig über 3.000 Wörter
Beratungsleistung mit ROI-VersprechenHochMittelHochLong Copy mit Fallstudien und Belegen
Wiederholungsprodukt für StammkundenVariabelNiedrigNiedrigShort Copy mit den wichtigsten Updates

Die Tabelle ist kein Produktionsplan. Sie zeigt nur, wo du mit deiner ersten Version anfangen kannst. Danach zählen die Daten: Scrolltiefe, Klicks auf den CTA, Abbrüche in Formularen, qualifizierte Leads und vor allem die Qualität der Conversions. Eine kürzere Seite kann mehr Klicks erzeugen und trotzdem schlechtere Leads bringen. Eine lange Seite kann weniger spontane Interaktionen auslösen, dafür aber Besucher besser vorqualifizieren.

Die Wortzahl folgt der Frage, nicht umgekehrt. Wer die Frage seines Lesers kennt, entscheidet innerhalb von Minuten, wie viel Text nötig ist.

Der Median der Conversion-Rate für dedizierte Landingpages liegt aktuell bei 4,02 %. Das ist eine Benchmark, an der du dich orientieren kannst – nicht an irgendeiner Idealzahl aus einem Agentur-Deck. Und vergiss dabei nicht: Der Median sagt dir, wo die Mitte liegt, nicht wo das Potenzial endet.

Landingpages, die ihre Textlänge sauber an die drei Kriterien Preis, Komplexität und Skepsis anpassen, können über diesem Wert liegen. Nicht weil sie mehr Wörter haben, sondern weil sie die richtigen Wörter am richtigen Ort haben. Bei einer langen Seite kann schon die bessere Platzierung des primären CTA einen zusätzlichen Lift ermöglichen; ob und wie stark dieser Effekt ausfällt, musst du für dein Angebot messen. Genau das ist der Unterschied zwischen einer plausiblen Hypothese und einer Versprechung.

Dein To-do für heute

Nicht morgen, nicht nächste Woche. Heute.

1. Hol deine aktuelle Landingpage-Conversion-Rate aus dem Analytics-Tool und vergleiche sie mit dem Median von 4,02 %. Wo stehst du? Liegst du darunter, ist die Frage nach der Textlänge eine der ersten, die du klären solltest – aber nicht die einzige.

2. Beantworte die drei Fragen oben für dein wichtigstes Angebot: Preis, Komplexität, Skepsis der Zielgruppe. Sei ehrlich. Selbstüberschätzung bei der eigenen Klarheit ist einer der häufigsten Fehler im Copywriting.

3. Prüfe Above the Fold: Sitzt dein primärer CTA im ersten sichtbaren Bereich? Wenn nicht, kann das bei einer langen Landingpage ein schneller Test sein. Ein Conversion-Lift von 17 % ist in einem solchen Szenario möglich, aber nicht verlässlich vorauszusagen. Ändere deshalb nicht nur den Button, sondern beobachte, ob Besucher anschließend tatsächlich häufiger den gewünschten nächsten Schritt gehen.

4. Miss deine Subheadlines. Sind sie länger als 20 Wörter, prüfe, ob sie präziser werden können. Sind sie kürzer als 10 Wörter, prüfe, ob sie genug Kontext liefern. Sind sie generisch („Unsere Vorteile“, „Warum wir?“), formuliere sie in der Sprache deines Kunden.

5. Lies deine Seite laut vor. Hörst du dich selbst reden oder eine Broschüre? Im Zweifel ist die Broschüre zu lang – und dein Ton zu kurz.

Die nächste Conversion wartet nicht auf den perfekten Text. Sie wartet auf den passenden Text im passenden Moment. Und genau diesen Moment entscheidest du, indem du die Frage stellst, bevor du den Bleistift ansetzt.

Häufige Fragen

Gibt es eine ideale Wortzahl für Landingpages?
Nein, es gibt keine universelle Wortzahl. Die Länge sollte sich ausschließlich an der Dichte der Informationen orientieren, die der Leser benötigt, um eine Entscheidung zu treffen.
Wann sollte ich eine Landingpage kurz halten?
Short Copy ist ideal, wenn das Angebot schnell verständlich ist, der Preis niedrig liegt und ein hoher Handlungsdruck beim Besucher besteht, wie etwa bei akuten Notfällen.
Warum funktionieren lange Landingpages bei teuren Produkten besser?
Bei hohen Preisen muss der Text mehr kognitive Arbeit leisten, um den Wert zu begründen, Einwände systematisch abzubauen und das nötige Vertrauen für die Investition aufzubauen.
Wie wichtig ist der Bereich 'Above the Fold'?
Dieser Bereich ist entscheidend, da er in Sekunden darüber entscheidet, ob der Besucher scrollt oder die Seite verlässt. Eine klare Headline, ein konkreter Nutzen und ein sichtbarer Call-to-Action sind hier essenziell.
Wie strukturiere ich lange Landingpages am besten?
Lange Seiten sollten durch klare Zwischenüberschriften gegliedert werden, die sowohl als Navigation dienen als auch für sich stehende Verkaufsargumente bilden.

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