
Über-uns-Seite: Der 5-Schritte-Plan für mehr Vertrauen
Die Über-uns-Seite – liest die eh keiner? Diesen Satz höre ich auf jeder zweiten Strategie-Sitzung, und er ist schlicht falsch. Ihre Über-uns-Seite ist nach der Startseite oft eine der wichtigsten Unterseiten Ihrer Website. Nicht die Leistungsseite.
Nicht das Blog-Archiv. Ihre Über-uns-Seite. Und trotzdem behandeln die meisten Unternehmerinnen und Selbstständigen diese Seite wie eine Pflichtübung im Website-Baukasten: ein Kopffoto, drei Sätze zur Firmengeschichte, ein paar Buzzwords, fertig. Dann wundert man sich, warum die Seite zwar Besucher anzieht, aber keine Anfragen produziert.
Das eigentliche Problem ist nicht mangelndes Engagement. Es ist die Annahme, die Über-uns-Seite sei ein Ort für Selbstdarstellung. Das ist sie nicht. Sie ist ein Vertrauensbaustein – und ein systematischer Flaschenhals, wenn Sie ihn ignorieren. Denn während Ihre Leistungsseite verkauft, muss Ihre Über-uns-Seite überzeugen. Und das sind zwei grundverschiedene Aufgaben.
Warum die Über-uns-Seite das Herzstück Ihrer Website ist
Vergessen Sie für einen Moment alles, was Sie über Conversion-Rates und Sales-Funnels wissen. Gehen wir einen Schritt zurück. Jemand landet auf Ihrer Website – über Google, über Pinterest, über einen geteilten Link. Er kennt Sie nicht. Er weiß nicht, ob Sie kompetent und vertrauenswürdig sind oder ob Sie sein Problem überhaupt verstehen. Genau an diesem Punkt bekommt die Über-uns-Seite ihre Bedeutung.
Die Psychologie dahinter ist simpel: Bevor ich Ihnen mein Geld gebe, will ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Nicht im Sinne einer Biografie – das Grundrauschen Ihrer persönlichen Timeline interessiert niemanden. Sondern im Sinne einer klaren Antwort auf die Frage: Warum ausgerechnet Sie?
Und hier liegt der systemische Fehler, den ich bei gefühlt 90 Prozent aller Websites sehe: Die Über-uns-Seite antwortet auf die falsche Frage. Sie beantwortet „Wer sind wir?“, statt „Was können wir für Sie tun?“. Der Unterschied klingt klein. Er ist gewaltig.
Die Über-uns-Seite muss dem Leser nicht nur sagen, wer Sie sind. Sie muss ihm zeigen, warum er bei Ihnen richtig ist.
Die Seite wird häufig von Menschen besucht, die bereits einen ersten Kontakt mit Ihrem Angebot hatten. Sie haben vielleicht einen Artikel gelesen, einen Pin gespeichert, eine Empfehlung bekommen oder Ihre Leistungen überflogen. Jetzt suchen sie Bestätigung. Sie wollen einschätzen, ob Ihre Arbeitsweise zu ihnen passt, ob Ihre Erfahrung für ihr Problem relevant ist und ob sie Ihnen eine Zusammenarbeit zutrauen.
Das macht die Über-uns-Seite zu einem kontrollierten Nadelöhr, durch das qualifizierte Interessenten laufen, bevor sie den Hörer in die Hand nehmen oder das Kontaktformular ausfüllen. Sie müssen dort nicht jeden Besucher überzeugen. Im Gegenteil: Eine gute Seite hilft auch dabei, unpassende Erwartungen früh zu sortieren. Wer nur einen möglichst billigen Text sucht, darf ruhig merken, dass Sie strategisch arbeiten. Wer eine persönliche Zusammenarbeit braucht, sollte spüren, wie diese Zusammenarbeit aussieht.
Die Über-uns-Seite ist also kein Nice-to-have. Sie ist der Ort, an dem aus einem anonymen Website-Besucher ein Mensch mit einer konkreten Vorstellung von Ihnen wird. Genau deshalb gehört sie nicht ans Ende Ihrer Website-Planung, sondern in die Mitte Ihrer Positionierung.
Die Headline als Brücke: Vom Selbstporträt zum Kundennutzen
Fangen wir vorne an – ganz vorne, bei dem ersten Satz, den Ihr Besucher liest. Und nein, das ist nicht „Über mich“ oder „Über uns“. Das sind Platzhalter. Keine Headlines.
Eine Headline auf der Über-uns-Seite hat genau eine Aufgabe: Sie muss schnell vermitteln, dass hier jemand steht, der das Problem des Lesers verstanden hat. Nicht Ihr Gründungsjahr. Nicht Ihre Qualifikation. Sondern sein Bedürfnis.
Statt also zu schreiben „Über mich – Ich bin Lisa und helfe Unternehmen beim Content-Marketing“, könnten Sie schreiben: „Strategie statt Zufall: Wie Ihr Content tatsächlich Anfragen generiert“. Der Unterschied? Die erste Version beschreibt Sie. Die zweite Version löst ein Problem. Und genau das will Ihr Besucher hören.
Das funktioniert nach einem simplen Wenn-dann-Schema:
Wenn Ihre Zielgruppe aus Gründerinnen besteht, die ihre erste Website bauen, dann muss die Headline Sicherheit vermitteln – das Gefühl, in professionellen Händen zu sein.
Wenn Ihre Zielgruppe aus erfahrenen Unternehmern besteht, die skalieren wollen, dann muss die Headline Kompetenz und Effizienz signalisieren – keine warmen Worte, sondern Kante.
Wenn Sie im B2B-Bereich arbeiten, dann erwartet man formelle, klare Sprache und professionelle Bildsprache. Im B2C-Bereich oder bei kleinen Unternehmen wirken nahbare Bilder auf Augenhöhe oft vertrauensbildender. Die Sprache Ihrer Headline muss zur Erwartung Ihrer Zielgruppe passen. Nicht zu Ihrem persönlichen Stilgefühl.
Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Denn die meisten Über-uns-Seiten sind für niemanden geschrieben – weder für die Zielgruppe noch für die Unternehmerin selbst. Sie sind entstanden, weil „man halt eine Über-uns-Seite braucht“. Und das ist der sicherste Weg, eine Seite zu bauen, die keiner liest.
Die häufigsten Headline-Fehler auf einen Blick
1. Die Platzhalter-Headline – „Über uns“ oder „Über mich“ ohne jedes Nutzenversprechen. Null Information, null Reiz.
2. Die Ich-bin-Headline – „Ich bin Maria, leidenschaftliche Coachin seit 2015.“ Der Besucher denkt: Schön für dich. Und weiter?
3. Die Buzzword-Suppe – „Innovativ. Authentisch. Nachhaltig.“ Drei Adjektive, die jeder verwendet und niemand fühlt.
4. Die Romantik-Variante – „Seit ich als Kind im Garten meiner Großmutter …“ Ihr Besucher ist nicht im Buchclub. Er will wissen, ob Sie sein Problem lösen.
5. Die Null-Headline – gar keine. Direkt ein Absatz Text. Ohne Anker verliert der Leser schnell die Orientierung.
Machen Sie es konkret: Formulieren Sie Ihre Headline so, als würden Sie eine einzelne Person ansprechen, die genau das Problem hat, das Sie lösen. Nicht eine Zielgruppe. Eine Person. Dann schreiben Sie den Satz, den Sie sagen würden, wenn diese Person Ihnen gegenübersäße. Das ist Ihre Headline.
Dabei darf die Überschrift durchaus persönlich klingen. Persönlich heißt nicht automatisch privat. „Ich weiß, wie frustrierend Texte ohne Resonanz sind“ kann der Einstieg in eine glaubwürdige Über-uns-Seite sein. „Ich liebe Kaffee, Hunde und das Meer“ sagt dagegen wenig über Ihre Arbeitsweise aus – es sei denn, genau diese Informationen spielen für Ihre Positionierung eine Rolle.
Visuelle Psychologie: Warum Bilder schneller überzeugen als Worte
Hier ein Punkt, den die meisten Website-Betreiber unterschätzen: Menschen erfassen visuelle Eindrücke sehr schnell und bilden daraus eine erste Einschätzung. Noch bevor Ihr sorgfältig formulierter Absatz vollständig gelesen ist, arbeitet das Bild bereits mit. Es vermittelt Nähe oder Distanz, Professionalität oder Nachlässigkeit, Klarheit oder Unruhe.
Das bedeutet: Das Bild auf Ihrer Über-uns-Seite arbeitet härter als viele Textzeilen. Es ist nicht bloß Dekoration. Es ist ein erster Vertrauenshebel.
Und trotzdem sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Entweder ein gestelltes Stockfoto mit drei lächelnden Menschen an einem Tisch – das niemanden überzeugt, weil jeder weiß, dass es gestellt ist. Oder ein Handy-Selfie aus dem Homeoffice, bei dem die Webcam-Perspektive von unten ins Gesicht filmt und das Konzept „Nähe“ mit „Ich habe kein Budget für Fotografie“ verwechselt.
Die Bildsprache muss zu Ihrer Positionierung passen. Nicht zu Ihrem persönlichen Komfortlevel, sondern zu dem, was Ihre Zielgruppe erwartet und braucht. Das ist kein Widerspruch – es ist strategische Kommunikation.
| Bildsprache | Wann sie passt | Wann sie schadet |
|---|---|---|
| Professionelles Business-Portrait | B2B, Beratung, Coaching auf Führungsebene | Wenn Sie Nähe und Zugänglichkeit vermitteln wollen, etwa bei einer lokalen Dienstleistung |
| Authentisches Arbeitsfoto am Schreibtisch oder bei der Arbeit | Kreative Selbstständige, kleine Unternehmen, Handwerksbetriebe | Wenn der Rahmen ungepflegt wirkt – Chaos im Hintergrund kann schnell als Chaos im Service gelesen werden |
| Teamfoto in natürlicher Umgebung | Agenturen, Praxen, Unternehmen mit sichtbarem Team | Wenn Sie allein arbeiten und das Bild ein Team suggeriert – das ist kein Vertrauensaufbau, sondern eine falsche Erwartung |
| Illustration oder grafisches Element | Technologieunternehmen, Softwareprodukte, abstrakte Dienstleistungen | Wenn Sie persönliche Beratung anbieten – dann will der Besucher in der Regel ein Gesicht sehen |
Der Clou: Ein gutes Bild auf der Über-uns-Seite muss nicht teuer sein. Es muss ehrlich sein und zum Kontext passen. Ein einziges professionelles Portrait schlägt zehn amateurhafte Schnappschüsse. Wenn das Budget aktuell wirklich knapp ist, dann wenigstens ein hochwertiges, gut beleuchtetes Foto bei Tageslicht vor einem aufgeräumten Hintergrund. Das ist kein perfekter Ersatz für ein geplantes Shooting, aber ein solides Minimum.
Die visuelle Verarbeitung ersetzt den Text natürlich nicht. Ein Bild kann Sympathie auslösen, aber keine Positionierung erklären. Es kann einen Eindruck von Sorgfalt vermitteln, aber nicht zeigen, wie Sie ein konkretes Kundenproblem lösen. Genau deshalb müssen Bild und Text dieselbe Geschichte erzählen. Wer auf dem Foto entspannt und zugänglich wirkt, im Text aber nur distanzierte Fachbegriffe verwendet, erzeugt einen Bruch. Wer persönliche Nähe verspricht und dann ausschließlich über Prozesse und Zertifikate schreibt, ebenso.
Und ein Punkt, der oft vergessen wird: Positionieren Sie das Bild strategisch. Es muss nicht oben stehen, nur weil „man das so macht“. Wenn Ihre Geschichte der stärkere Einstieg ist, setzen Sie das Bild weiter unten – dort, wo es die Verbindung zwischen Erzählung und Person herstellt. Aber es muss da sein. Eine Über-uns-Seite ohne Gesicht ist wie ein Verkaufsgespräch ohne Blickkontakt.
Storytelling mit Tiefgang: Wie Ihre Geschichte Probleme löst
Jetzt zum Text – dem eigentlichen Kern Ihrer Über-uns-Seite und dem Bereich, in dem die meisten Unternehmer versagen. Nicht weil sie schlecht schreiben können. Sondern weil sie die falsche Geschichte erzählen.
Die gängige Über-uns-Seite folgt einer Timeline: Gründungsjahr, Ausbildung, Meilensteine, Erfolge. Chronologisch, vollständig, sachlich korrekt. Und zu 100 Prozent irrelevant für Ihren Besucher. Denn Ihr Besucher will keine Biografie. Er will die Antwort auf eine einzige Frage: Versteht diese Person mein Problem?
Gutes Storytelling auf der Über-uns-Seite funktioniert nicht als Nacherzählung Ihres Lebenslaufs. Es funktioniert als Brücke zwischen Ihrer Erfahrung und dem Schmerzpunkt Ihres Kunden. Und zwar nach einem konkreten Muster:
1. Der Auslöser – Warum tun Sie, was Sie tun?
Nicht: „Seit 2018 bin ich selbstständig.“ Sondern: „Ich habe gesehen, wie Unternehmen Tausende Euro für Content ausgeben, der keinen einzigen Lead bringt – und das hat mich genervt.“ Der Auslöser muss emotional sein, aber nicht kitschig. Er muss zeigen, dass Sie ein Problem erkannt haben, das auch Ihr Leser hat. Wenn Ihr Auslöser kein Problem adressiert, das Ihr Kunde teilt, ist er irrelevant – egal, wie persönlich und „authentisch“ er ist.
2. Die Erkenntnis – Was haben Sie daraus gelernt?
Hier kommt Ihre Expertise ins Spiel – nicht als Zertifikatsliste, sondern als verdichtete Einsicht. „Content funktioniert nicht nach Bauchgefühl. Er braucht ein System.“ Das ist die Erkenntnis, die Ihren Leser weiterbringt. Sie zeigt, dass Sie nicht nur Erfahrung haben, sondern aus dieser Erfahrung etwas destilliert haben, das er nutzen kann.
3. Der Transfer – Was bedeutet das für Ihren Leser?
Der wichtigste Teil. Hier verbinden Sie Ihre Geschichte mit seinem Problem. „Wenn Sie gerade am Anfang stehen und sich fragen, warum Ihre Texte nicht konvertieren, liegt das selten an Ihnen. Es liegt an der Struktur.“ Sie sprechen sein Problem aus. Sie normalisieren es. Und Sie positionieren sich als die Person, die die Lösung kennt.
Das ist keine Biografie. Das ist strategisches Storytelling. Und es funktioniert, weil es dem Leser nicht nur sagt, wer Sie sind – es zeigt ihm, dass Sie seine Welt verstehen.
Was die meisten Über-uns-Seiten falsch machen
Ich sehe drei wiederkehrende Fehler, die den gesamten Vertrauensaufbau sabotieren:
1. Die Selbstdarstellungsfalle – Der Text dreht sich komplett um Sie: Ihre Ausbildung, Ihre Erfolge, Ihre Philosophie. Der Leser sucht sich selbst in Ihrem Text und findet ihn nicht. Ergebnis: Absprung.
2. Die Authentizitätsausrede – „Ich zeige einfach, wer ich bin, und wer es nicht mag, ist nicht meine Zielgruppe.“ Das klingt nach Haltung. Ist es aber nicht. Es ist nachlässige Kommunikation, verkleidet als Selbstbewusstsein. Authentizität als Ausrede für schlechte Planung – das ist kein Geschäftsmodell.
3. Die Datenfriedhof-Methode – Gründungsjahr, Teamgröße, Quadratmeter Bürofläche, Anzahl der Kunden. Trockene Fakten ohne jede Einordnung. Der Leser kann mit diesen Zahlen nichts anfangen, weil sie keinen Kontext haben. „500 betreute Kunden“ sagt wenig. „500 Unternehmen, die vorher Content ohne Strategie produziert haben und jetzt planbarer Anfragen generieren“ – das ist eine Aussage.
Eine Über-uns-Seite, die nur über Sie spricht, ist wie ein Verkaufsgespräch, in dem Sie 20 Minuten lang über sich reden, ohne einmal zu fragen, was Ihr Gegenüber eigentlich braucht.
Die Lösung ist kein kompliziertes Framework. Es ist eine Haltungssache: Schreiben Sie Ihre Über-uns-Seite aus der Perspektive Ihres Lesers. Nicht aus Ihrer.
Das heißt nicht, dass Sie jedes „Ich“ aus dem Text streichen müssen. Im Gegenteil. Menschen wollen wissen, wer hinter einem Angebot steht. Entscheidend ist nur, wofür diese persönlichen Informationen arbeiten. Ihre Geschichte sollte nicht beweisen, dass Ihr Leben interessant ist. Sie sollte zeigen, warum Ihre Erfahrung für den Leser relevant ist.
Eine brauchbare Struktur für den Mittelteil sieht deshalb so aus:
- Benennen Sie das Problem, das Sie in Ihrer Arbeit immer wieder beobachten.
- Zeigen Sie, welche Erfahrung oder Erkenntnis Ihre heutige Arbeitsweise geprägt hat.
- Erklären Sie, wie diese Arbeitsweise Ihrem Kunden konkret hilft.
- Machen Sie deutlich, für wen Ihr Angebot besonders gut passt.
- Sagen Sie auch, wie die Zusammenarbeit abläuft und was der erste Schritt ist.
Gerade der vorletzte Punkt wird gern unterschlagen. Eine Über-uns-Seite darf eine Grenze haben. Wenn Sie ausschließlich mit Unternehmen arbeiten, die bereit sind, in Strategie zu investieren, schreiben Sie das. Wenn Sie keine kurzfristigen Einzelkorrekturen übernehmen, sondern längerfristige Textkonzepte entwickeln, gehört auch das in den Text. Klarheit wirkt nicht abschreckend auf die richtigen Menschen. Sie hilft ihnen bei der Entscheidung.
Conversion-Hebel: Testimonials und der strategische Call-to-Action
Sie haben die Headline, die sitzt. Sie haben das Bild, das arbeitet. Sie haben eine Geschichte, die verbindet. Jetzt fehlt der letzte Baustein – und der wird am häufigsten unterschätzt: Social Proof und der klare Call-to-Action.
Fangen wir mit Testimonials an. Nicht mit dem Standardmuster „Top-Arbeit, sehr empfehlenswert!“ – das liest niemand und es überzeugt niemanden. Ein gutes Testimonial auf der Über-uns-Seite muss drei Dinge tun:
Erstens: Das Problem benennen, das der Kunde vorher hatte. „Bevor ich mit Lisa zusammengearbeitet habe, habe ich Content produziert, der niemanden interessiert hat.“ Der Leser denkt: Das kenne ich. Jetzt ist er aufmerksam.
Zweitens: Die Veränderung zeigen – so konkret wie möglich. „Seit der Zusammenarbeit generiere ich über meinen Blog mehrere qualifizierte Anfragen pro Woche.“ Ergebnisse sind überzeugender als „Es war eine tolle Erfahrung“. Wenn konkrete Zahlen vorhanden und belastbar sind, dürfen sie selbstverständlich genannt werden. Sie sollten aber immer verständlich machen, was sich für den Kunden verändert hat.
Drittens: Den Kunden namentlich zeigen – mit Gesicht, Firma und Kontext. Anonyme Testimonials haben wenig Aussagekraft. Ein Name, ein Foto und eine nachvollziehbare Einordnung machen eine Empfehlung glaubwürdiger. Verifizierbarkeit ist ein Kern von Vertrauen.
Wenn Sie aktuell keine Testimonials haben: Sammeln Sie sie systematisch. Schicken Sie nach jedem Projekt eine kurze Nachricht mit drei Fragen:
1. Was war Ihr Problem vor unserer Zusammenarbeit?
2. Was hat sich seitdem verändert?
3. Was würden Sie anderen raten, die vor derselben Entscheidung stehen?
Diese drei Fragen produzieren bessere Testimonials als die Bitte: „Schreiben Sie doch mal eine kurze Empfehlung.“
Der Call-to-Action – Ihr letzter und wichtigster Satz
Und jetzt zum Call-to-Action. Der Moment, in dem Ihre Über-uns-Seite aufhört, eine Visitenkarte zu sein, und anfängt, ein Verkaufsinstrument zu sein.
Wer auf Ihrer Über-uns-Seite gelandet ist und bis zum Ende gelesen hat, braucht nicht zwingend noch mehr Argumente. Er braucht eine Richtung. Was soll als Nächstes passieren? Soll er einen Termin vereinbaren, Ihnen schreiben, Ihr Angebot ansehen oder zunächst einen passenden Einstieg herunterladen?
Und trotzdem enden die meisten Über-uns-Seiten mit – nichts. Kein Button. Kein Link. Kein nächster Schritt. Der Leser hat sich durchgearbeitet, fühlt sich verstanden, und dann: Stille. Das ist, als würden Sie ein Verkaufsgespräch führen, in dem Sie alle Fragen beantworten, und dann einfach gehen, ohne zu fragen, ob Ihr Gegenüber einen Termin buchen möchte.
Ihr Call-to-Action muss klar, spezifisch und niedrigschwellig sein:
| Call-to-Action-Typ | Beispiel | Wann er funktioniert |
|---|---|---|
| Termin buchen | „Jetzt ein unverbindliches Kennenlerngespräch vereinbaren“ | Bei Beratungsleistungen, Coachings und Agenturen |
| Kontakt aufnehmen | „Schreiben Sie mir – ich antworte persönlich“ | Wenn ein direktes Gespräch der natürliche nächste Schritt ist |
| Kostenloses Material herunterladen | „Kostenlos: Der Content-Planungs-Guide für Ihr erstes Quartal“ | Wenn Sie Interessenten in eine E-Mail-Serie führen möchten |
| Angebot ansehen | „So arbeite ich – und ob es zu Ihnen passt“ | Wenn Sie ein Paket- oder Produktangebot haben |
Der Call-to-Action gehört nicht in die Fußzeile. Er gehört an das Ende Ihrer Über-uns-Seite – groß, sichtbar und mit genug Weißraum darum, dass er ins Auge springt. Und er muss in der Sprache Ihres Lesers formuliert sein, nicht in Ihrer. Nicht „Jetzt beraten lassen“, sondern: „Lassen Sie uns besprechen, wie Ihr Content endlich funktioniert.“
Ein einziger Call-to-Action. Nicht drei. Nicht fünf. Einer. Jede zusätzliche Option ist eine zusätzliche Entscheidung – und jede zusätzliche Entscheidung kann dazu führen, dass Ihr Besucher überhaupt nichts tut.
Das heißt nicht, dass die gesamte Website nur noch einen Button besitzen darf. Es heißt, dass diese konkrete Seite einen klaren Abschluss braucht. Wenn Sie ein Kennenlerngespräch anbieten, führen alle Elemente dorthin: Die Geschichte erklärt Ihre Motivation, die Beispiele zeigen Ihre Arbeitsweise, die Empfehlung schafft Vertrauen. Am Ende muss der Leser nicht mehr überlegen, was gemeint ist.
Der Über-uns-Texten-Aufbau in der Praxis
Wenn Sie Ihre Über-uns-Seite neu schreiben, beginnen Sie nicht mit dem Satz „Ich bin …“. Beginnen Sie mit dem Problem, das Ihre Wunschkunden mitbringen. Danach arbeiten Sie sich rückwärts zu Ihrer eigenen Geschichte vor.
Ein sinnvoller Aufbau kann so aussehen:
1. Headline mit Kundennutzen: Welches Problem verstehen Sie und welche Veränderung versprechen Sie?
2. Kurzer Einstieg: Warum ist dieses Problem relevant und warum sprechen Sie darüber?
3. Ihre Geschichte: Welcher Auslöser hat Ihre heutige Arbeit geprägt?
4. Ihre Arbeitsweise: Was tun Sie anders als die üblichen Anbieter?
5. Belege: Welche Ergebnisse, Kundenstimmen oder Beispiele machen Ihre Aussage glaubwürdig?
6. Passung: Für wen ist Ihre Zusammenarbeit geeignet – und für wen eher nicht?
7. Nächster Schritt: Was soll der Leser jetzt konkret tun?
Das ist keine starre Vorlage. Ein Solo-Texter braucht nicht dieselbe über mich Seitenstruktur wie eine Agentur mit zwölf Mitarbeitenden. Eine Unternehmensseite darf stärker über Team, Werte und Prozesse sprechen. Eine persönliche Dienstleistungsseite braucht dagegen in der Regel mehr Gesicht, Haltung und direkte Ansprache.
Entscheidend ist, dass jeder Abschnitt eine Funktion erfüllt. Wenn ein Absatz weder Vertrauen aufbaut noch eine Frage beantwortet noch den Weg zum Angebot erklärt, gehört er wahrscheinlich nicht auf diese Seite. Das klingt hart. Ist aber eine gute Nachricht: Sie müssen keine vollständige Lebensgeschichte schreiben. Sie müssen eine relevante auswählen.
Auch beim Schreiben selbst lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Perspektive. Markieren Sie alle Sätze, die mit „Ich“, „Wir“ oder „Unser“ beginnen. Streichen müssen Sie sie nicht automatisch. Prüfen Sie aber jeden einzelnen Satz: Liefert er dem Leser einen Grund, Ihnen zu vertrauen? Erklärt er Ihre Kompetenz? Macht er Ihre Arbeitsweise greifbar? Oder berichtet er nur eine Information, die für Sie persönlich wichtig ist?
Aus „Wir legen großen Wert auf individuelle Lösungen“ wird zum Beispiel „Sie bekommen kein fertiges Textpaket von der Stange. Wir entwickeln die Seitenstruktur aus Ihrem Angebot, Ihren Kundenfragen und dem Ziel, das Ihre Website erfüllen soll.“ Das ist länger, aber deutlich. Es beschreibt nicht nur einen Wert, sondern eine Handlung.
Vertrauen entsteht durch Passung, nicht durch Selbstdarstellung
Eine gute Über-uns-Seite muss nicht jedem gefallen. Sie muss den richtigen Menschen das Gefühl geben: Das könnte passen. Dieses Gefühl entsteht selten durch Superlative. Es entsteht durch erkennbare Haltung, konkrete Sprache und eine Geschichte, die mit dem Problem des Lesers verbunden ist.
Schreiben Sie deshalb nicht, Sie seien „leidenschaftlich“, wenn Sie zeigen können, wie Sie arbeiten. Schreiben Sie nicht, Sie seien „kundenorientiert“, wenn Sie erklären können, welche Fragen Sie vor einem Projekt stellen. Schreiben Sie nicht, Sie seien „authentisch“, wenn ein ehrlicher Satz über Ihre Grenzen viel mehr Vertrauen schaffen würde.
Ihre Über-uns-Seite ist kein digitaler Lebenslauf. Sie ist auch kein Ort, an dem Sie sich kleinmachen müssen, um sympathisch zu wirken. Sie darf selbstbewusst sein. Nur sollte dieses Selbstbewusstsein immer einen Bezug zum Kundennutzen haben.
Die fünf entscheidenden Schritte sind deshalb klar:
- Eine Headline formulieren, die vom Problem des Lesers ausgeht.
- Ein Bild auswählen, das Ihre Positionierung glaubwürdig unterstützt.
- Ihre Geschichte als Verbindung zwischen Erfahrung und Kundenproblem erzählen.
- Testimonials so einsetzen, dass nicht nur Lob, sondern Veränderung sichtbar wird.
- Einen konkreten nächsten Schritt anbieten, statt den Leser am Seitenende stehen zu lassen.
Wenn Sie diesen Aufbau beherzigen, wird aus „Über mich“ keine längere Visitenkarte, sondern ein Text, der Orientierung gibt. Der Leser versteht, wer Sie sind, wofür Sie stehen, wie Sie arbeiten und warum das für ihn relevant sein könnte.
Mehr muss eine Über-uns-Seite nicht leisten. Aber genau das muss sie leisten.