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5 Methoden gegen typische Copywriting-Fehler
Copywriting & Webtexte

5 Methoden gegen typische Copywriting-Fehler

Wenn deine Website viele Besucher erreicht und trotzdem kaum Anfragen entstehen, liegt das nicht automatisch am Traffic.

5 Methoden gegen typische Copywriting-Fehler

Oft verliert der Text die Menschen an einer viel früheren Stelle: Sie verstehen nicht schnell genug, was du anbietest, erkennen den eigenen Bedarf nicht wieder oder wissen nicht, was nach dem Klick passiert.

Das ist der Kern vieler typischer Copywriting-Fehler auf Websites. Nicht jeder Besucher, der eine Seite verlässt, wäre zum Kunden geworden. Aber jeder unklare Satz, jedes austauschbare Versprechen und jeder versteckte nächste Schritt macht es unnötig schwerer, aus Interesse eine Handlung entstehen zu lassen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie bekomme ich mehr Besucher?“ Sondern auch: „Warum überzeugt der Traffic, den ich bereits habe, noch nicht?“ Fünf Hebel helfen dabei, Website-Texte zu verbessern, ohne sie mit Werbesprache oder künstlichem Verkaufsdruck zu überladen.

Conversion beginnt nicht im Funnel, sondern im ersten Satz, den ein Besucher auf deiner Startseite liest.

Vom Ich zum Du: Warum die Kundensicht über den Erfolg entscheidet

Der häufigste Copywriting-Fehler auf Websites ist nicht fehlende Suchmaschinenoptimierung. Es ist die falsche Perspektive.

Auf unzähligen Startseiten steht zuerst, wer das Unternehmen ist, wie lange es existiert und welche Methode es entwickelt hat: „Wir sind eine Full-Service-Agentur.“ „Mein Ansatz basiert auf …“ „In meiner langjährigen Erfahrung habe ich …“ Das kann alles relevant sein. Nur beantwortet es noch nicht die Frage, mit der ein Besucher auf die Seite kommt: „Bin ich hier richtig?“

Eine Website ist keine Autobiografie. Sie ist ein Gespräch mit jemandem, der ein Problem lösen, eine Entscheidung treffen oder eine Veränderung erreichen möchte. Deine Erfahrung ist dabei ein Argument. Sie darf aber nicht den gesamten Raum einnehmen.

Hebel 1: Du-Form statt Ich-Form

Die Kundensicht beginnt nicht damit, jedes „Ich“ mechanisch durch „Du“ zu ersetzen. Ein Satz wie „Du bekommst bei mir ein individuelles Angebot“ ist noch keine gute Kundensprache. Entscheidend ist, ob der Besucher sich, seine Situation und sein gewünschtes Ergebnis darin wiederfindet.

Drei konkrete Schritte für deine Startseite:

  • Die Überschrift auf das Problem oder Ergebnis ausrichten. Aus „Wir sind Ihre Full-Service-Agentur“ wird zum Beispiel: „Du gewinnst Klarheit darüber, welche Inhalte deine Zielgruppe wirklich braucht.“ Die zweite Variante ist nicht automatisch besser, weil sie ein „Du“ enthält. Sie ist besser, weil sie eine Situation des Kunden anspricht.
  • Service-Beschreibungen umdrehen. Nicht: „Mein Coaching-Programm umfasst acht Module.“ Sondern: „Du arbeitest in acht Modulen an deinem nächsten Karriereschritt und gehst mit einem klaren Plan weiter.“ Die Module können danach immer noch erklärt werden. Im ersten Satz zählt zunächst, was sie für den Kunden bedeuten.
  • Die Über-mich-Seite auf Relevanz prüfen. Deine Vita muss nicht verschwinden. Kürze sie auf das, was Vertrauen schafft und für die Entscheidung wichtig ist: Welches Problem hast du selbst gelöst? Welche Erfahrung hilft deinem Kunden heute? Welche Arbeitsweise kann er erwarten? Der Rest gehört auf LinkedIn oder in einen ausführlicheren Abschnitt.

Ein einfacher Test hilft beim Umschreiben: Markiere auf deiner Startseite jedes „wir“, „ich“, „unser“ und „mein“. Lies anschließend nur die markierten Sätze. Wenn sich daraus vor allem eine Unternehmensvorstellung ergibt, aber kaum ein Bild vom Kundenproblem, liegt der Perspektivwechsel noch vor dir.

Das bedeutet nicht, dass die Ich-Form grundsätzlich verboten ist. Gerade bei Selbstständigen kann sie Nähe herstellen. „Ich prüfe deine Texte persönlich“ ist konkreter und glaubwürdiger als ein anonymes „Wir bieten individuelle Lösungen“. Die Frage ist nicht, wer im Satz vorkommt. Die Frage ist, wem der Satz nützt.

Von der Leistung zum Nutzen

Viele schlechte Webtexte beschreiben, was geliefert wird, statt zu zeigen, was sich dadurch verändert. Eine Texterin verkauft dann „Website-Konzeption, SEO-Texte und redaktionelle Betreuung“. Ein Kunde sucht aber vielleicht keine drei Dienstleistungen, sondern eine verständliche Website, die sein Angebot auf den Punkt bringt und ihm weniger Erklärungsarbeit im Verkaufsgespräch abverlangt.

Beides darf auf der Seite stehen. Die Reihenfolge entscheidet:

1. Ausgangslage: Womit kämpft der Kunde gerade?

2. Veränderung: Was ist nach der Zusammenarbeit anders?

3. Leistung: Wie trägst du konkret zu dieser Veränderung bei?

4. Beleg: Woran lässt sich erkennen, dass deine Arbeitsweise funktioniert?

So wird aus einer Leistungsbeschreibung ein nachvollziehbares Angebot. Du musst dafür weder dramatisieren noch ein Ergebnis garantieren. Es reicht, die Verbindung zwischen deiner Arbeit und dem Alltag des Kunden sichtbar zu machen.

Sprachbarrieren abbauen: Fachjargon und Substantivierungen eliminieren

Fachjargon ist der zweite Türsteher, der Besucher auf Abstand hält. Wörter wie „Digitalisierungskompetenz“, „Wertschöpfungskette“ oder „Customer Journey“ können in einem Fachgespräch sinnvoll sein. Auf einer Website, die auch neue Interessenten abholen soll, erzeugen sie jedoch schnell Distanz.

Das Problem ist nicht jedes Fachwort an sich. Ein Begriff kann präzise und nützlich sein, wenn deine Zielgruppe ihn kennt. Schwierig wird es, wenn ein Text aus Begriffen besteht, die nur innerhalb deiner Branche selbstverständlich sind. Dann muss der Leser erst deine Sprache entschlüsseln, bevor er sein eigenes Problem wiedererkennt.

Ähnlich wirken Substantivierungen. „Die Analyse der Kundenzufriedenheit ergibt …“ klingt abstrakt und lässt offen, wer eigentlich etwas tut. „Wir haben Kunden gefragt, was sie stört“ ist direkter. Der zweite Satz macht eine Handlung sichtbar, statt einen Vorgang hinter einem Hauptwort zu verstecken.

Hebel 2: Verben zurückholen

Gehe jede wichtige Unterseite mit einer kleinen Sprachprüfung durch. Nicht, um jeden Satz in kurze Werbezeilen zu zerlegen, sondern um Stellen zu finden, an denen der Text unnötig schwer wird.

  • Ersetze abstrakte Hauptwörter durch Verben, wenn dadurch eine Handlung sichtbar wird. Aus „Implementierung einer neuen Struktur“ wird „eine neue Struktur einführen“. Aus „Optimierung der Inhalte“ wird „die Inhalte verbessern“.
  • Schreibe nicht über ein Ziel, wenn du die Tätigkeit benennen kannst. „Unser Ziel ist die Steigerung deiner Sichtbarkeit“ klingt nach Absichtserklärung. „Wir überarbeiten deine Inhalte, damit die richtigen Menschen dich leichter finden“ zeigt eher, was passiert.
  • Erkläre Fachbegriffe beim ersten Auftauchen in einem Halbsatz. „Dein ROAS, also der Umsatz im Verhältnis zu deinen Werbekosten, zeigt, wie wirtschaftlich eine Kampagne arbeitet.“ Danach kannst du den Begriff verwenden, ohne den Lesefluss ständig zu unterbrechen.
  • Prüfe zusammengesetzte Wörter. „Angebotsentwicklungsprozess“ lässt sich oft in „dein Angebot entwickeln“ auflösen. Das ist nicht weniger professionell. Es ist nur leichter zu verstehen.
  • Lies jeden Absatz laut. Wo du beim Vorlesen Luft holen, zurückspringen oder einen Satz neu ansetzen musst, bleibt vermutlich auch dein Besucher hängen. Nicht jeder lange Satz ist falsch. Aber jeder Satz sollte eine klare Bewegung haben.
Verständliche Sprache macht dein Angebot nicht kleiner. Sie nimmt nur die Nebelwand davor weg.

Fachlich präzise und trotzdem verständlich

Ein häufiger Einwand lautet: „Meine Zielgruppe kennt die Fachbegriffe.“ Das kann stimmen. Trotzdem sollte ein Text nicht unnötig kompliziert formuliert sein. Auch Fachleute lesen Webseiten unter Zeitdruck. Sie wollen nicht beweisen, dass sie einen verschachtelten Satz verstehen, sondern schnell beurteilen, ob dein Angebot zu ihrer Situation passt.

Du kannst Fachsprache dort einsetzen, wo sie Orientierung schafft:

  • In einer Dienstleistungsübersicht kann „technische Suchmaschinenoptimierung“ sinnvoller sein als „Website technisch besser auffindbar machen“.
  • In der anschließenden Erklärung sollte aber stehen, was du konkret prüfst: Ladezeiten, interne Verlinkung, Indexierung oder technische Fehler.
  • In einem Angebot für eine klar definierte Fachzielgruppe darfst du Vorwissen voraussetzen. Dann muss die Seite nicht allgemeinverständlich für alle sein, aber weiterhin verständlich für die Menschen, die du erreichen willst.

Gute Copy entscheidet sich nicht zwischen fachlich und einfach. Sie findet die Formulierung, die fachlich genau und gedanklich zugänglich ist.

Vage Versprechen ersetzen: Mit Beweisen statt Floskeln Vertrauen aufbauen

„Kompetent“, „kundenorientiert“, „individuell“, „professionell“, „zuverlässig“: Diese Adjektive stehen auf vielen deutschen Unternehmenswebsites. Sie sind nicht falsch. Das ist gerade ihr Problem. Fast jedes Unternehmen kann sie über sich selbst schreiben.

Ein Interessent liest „kompetent“ und denkt: „Das sagt jeder.“ Ein Interessent liest dagegen: „Wir haben die Positionierung eines Beratungsunternehmens geschärft, das zuvor drei sehr unterschiedliche Zielgruppen gleichzeitig ansprechen wollte“ und erhält ein Bild davon, worin die Erfahrung besteht.

Vertrauen entsteht nicht durch Etiketten, sondern durch nachvollziehbare Belege. Ein Beleg muss dabei nicht immer eine große Kennzahl sein. Auch ein konkreter Ablauf, eine begründete Entscheidung oder ein nachvollziehbares Vorher-Nachher-Beispiel kann zeigen, dass du dein Handwerk beherrschst.

Hebel 3: Beleg statt Behauptung

Drei Arten von Belegen funktionieren auf Service-Seiten besonders gut:

  • Zahlen mit Kontext. „47 Prozent unserer Kunden kommen aus dem DACH-Raum“ ist zunächst nur eine Zahl. Aussagekräftiger wird sie, wenn klar wird, warum sie relevant ist: etwa weil du dadurch Erfahrung mit mehrsprachigen Märkten, unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen oder verteilten Teams mitbringst. Verwende Zahlen nur, wenn du sie erklären und im Zweifel belegen kannst.
  • Testimonials mit konkreter Aussage. „Super Zusammenarbeit, sehr empfehlenswert“ klingt freundlich, hilft bei der Entscheidung aber wenig. Besser ist ein Zitat, das Ausgangslage, Zusammenarbeit oder Veränderung beschreibt: „Nach dem Workshop konnten wir unser Angebot in einem Satz erklären und mussten im Erstgespräch deutlich weniger Grundlagen nachholen — Mira K., Geschäftsführerin, [Branche]“.
  • Vorher-Nachher-Vergleiche. Zeige, was sich beim Kunden verändert hat: die Struktur einer Seite, der Ablauf eines Prozesses, die Verständlichkeit des Angebots oder der Aufwand im Alltag. Ein Vorher-Nachher-Vergleich muss nicht immer eine Umsatzkurve sein.

Auch deine Arbeitsweise kann ein Beleg sein. Wenn du erklärst, wie du vorgehst, wird dein Angebot greifbarer: Du führst zunächst Gespräche mit den relevanten Personen, sichtest bestehende Inhalte, formulierst Annahmen und testest die neue Struktur an realen Fragen aus dem Vertrieb. Das ist überzeugender als „Wir arbeiten individuell“, weil der Leser erkennen kann, worin die Individualisierung besteht.

Behauptungen in überprüfbare Aussagen verwandeln

Nimm eine beliebige Floskel und stelle drei Fragen:

1. Woran würde ein Kunde merken, dass sie stimmt?

2. Welche Handlung oder welches Ergebnis steht dahinter?

3. Kannst du dafür ein Beispiel nennen?

Aus „persönliche Betreuung“ wird dann vielleicht: „Du hast während des Projekts eine feste Ansprechpartnerin und erhältst Feedback direkt im Dokument.“ Aus „maßgeschneiderte Lösungen“ wird: „Wir entwickeln die Seitenstruktur aus deinen Verkaufsfragen, bestehenden Inhalten und den Einwänden deiner Zielgruppe.“ Aus „schnelle Umsetzung“ wird: „Du erhältst die erste Textfassung innerhalb des vereinbarten Projektabschnitts und bündelst Änderungswünsche in einem gemeinsamen Feedback-Dokument.“

Das sind keine spektakulären Slogans. Genau deshalb wirken sie oft glaubwürdiger. Sie machen ein Versprechen prüfbar, statt es größer zu formulieren.

Persönliche Beispiele und echte Stimmen werden zudem wichtiger, weil immer mehr Webtexte gleich klingen. Das Entscheidende ist nicht, möglichst originell zu wirken. Entscheidend ist, eine Beobachtung zu teilen, die nur aus deiner tatsächlichen Arbeit stammen kann: ein wiederkehrender Einwand, eine überraschende Fehlannahme oder eine kleine Entscheidung, die im Projekt einen großen Unterschied gemacht hat.

Handlungsdruck erzeugen: Klare Call-to-Actions statt passiver Formulierungen

Ein Call-to-Action ist kein dekorativer Button. Er ist ein Versprechen in Kurzform. Auf vielen Websites steht dort „Kontakt“, „Mehr erfahren“ oder „Anfrage senden“. Diese Beschriftungen sind nicht grundsätzlich unbrauchbar, lassen aber eine wichtige Information offen: Was passiert nach dem Klick?

Wer „Mehr erfahren“ liest, möchte meistens nicht einfach mehr Text konsumieren. Die Person will herausfinden, ob dein Angebot passt, wie die Zusammenarbeit abläuft oder welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Wer „Kontakt“ liest, weiß nicht, ob sich dahinter ein unverbindliches Gespräch, ein Formular mit zehn Pflichtfeldern oder eine direkte Kaufmöglichkeit verbirgt.

Ein guter CTA beantwortet mindestens drei Fragen:

  • Was passiert, wenn ich klicke?
  • Was bekomme ich konkret?
  • Welchen Aufwand muss ich dafür einplanen?

Hebel 4: Aktionsverben, Nutzen und Reibung klar adressieren

Schwacher CTAKlarere Variante
KontaktEin unverbindliches Erstgespräch vereinbaren
Mehr erfahrenDrei Beispielprojekte aus deiner Branche ansehen
Anfrage sendenProjektanforderungen und Zeitrahmen besprechen
Newsletter abonnierenJeden Donnerstag drei konkrete Schreibimpulse erhalten
DownloadDie Vorlage für deine Angebotsseite herunterladen

Die stärkere Variante ist nicht deshalb besser, weil sie länger ist. Sie macht den nächsten Schritt konkreter. Je nach Angebot kann ein kurzer Button trotzdem die richtige Wahl sein. Dann sollte der umgebende Text die offenen Fragen beantworten.

Zwei Feinheiten werden häufig übersehen:

  • Der CTA steht dort, wo eine Entscheidung entsteht. Nicht nur am Seitenende, sondern auch nach einem Abschnitt, der ein Problem erklärt, nach einem Vorteilsblock oder nach einer Kundenstimme. Der Button muss nicht überall identisch beschriftet sein. Er sollte zum jeweiligen Gedanken passen.
  • Mikro-Reibung wird offen angesprochen. Wenn ein Formular nur die E-Mail-Adresse benötigt, darf das dort stehen. Wenn ein Erstgespräch ungefähr eine halbe Stunde dauert, sollte der Besucher das vorher wissen. Transparenz senkt nicht automatisch die Bereitschaft zur Kontaktaufnahme. Sie verhindert eher, dass ein Klick auf falschen Erwartungen beruht.

Kein künstlicher Druck

Handlungsdruck wird oft mit künstlicher Verknappung verwechselt. „Nur noch zwei Plätze frei“ oder „Angebot endet heute“ kann funktionieren, wenn es tatsächlich stimmt. Als Standardformel beschädigt es jedoch Vertrauen.

Ein klarer CTA braucht keine Drohung. Ein realistischer nächster Schritt genügt:

  • „Kostenlos prüfen lassen“
  • „Termin für ein Kennenlerngespräch auswählen“
  • „Beispiele und Ablauf ansehen“
  • „Fragen zum Projekt senden“

Bei erklärungsbedürftigen Dienstleistungen ist ein kleinerer Schritt oft sinnvoller als ein sofortiger Kauf. Ein Besucher kann zunächst ein Beispielprojekt ansehen, eine konkrete Frage stellen oder einen kurzen Termin buchen. Das ist kein Abschwächen des Angebots. Es ist eine passende Antwort auf die Tatsache, dass Vertrauen nicht auf jeder Seite gleich weit entwickelt ist.

Lesefluss und Struktur: Textwüsten in scannbare Inhalte verwandeln

Textwüsten sind stille Konversionsbremsen. Niemand liest eine Website zuverlässig wie ein Buch. Besucher überfliegen Überschriften, springen zu Aufzählungen, suchen nach vertrauten Begriffen und entscheiden dabei, ob sich die nächste Minute lohnt.

Wenn deine Startseite aus drei langen Absätzen besteht, kann der Inhalt noch so gut sein: Die wichtigsten Aussagen werden nicht automatisch gefunden. Gute Webtexte sind deshalb nicht oberflächlich, nur weil sie scanbar sind. Sie geben dem Leser mehrere Einstiegspunkte und ordnen die Tiefe so, dass niemand erst den gesamten Text bewältigen muss.

Hebel 5: Strukturelle Atome einsetzen

Fünf Bausteine helfen dabei, schlechte Webtexte zu optimieren und auch längere Inhalte zugänglich zu halten:

  • Zwischenüberschriften als Aussagen formulieren. „Unsere Leistungen“ sagt wenig. „Du erhältst eine Seitenstruktur, die dein Angebot verständlich macht“ führt bereits in den Inhalt hinein.
  • Absätze nach Gedanken trennen. Ein Absatz muss nicht eine bestimmte Zeilenzahl haben. Er sollte enden, wenn sich die Aussage verändert. Ein neuer Einwand, ein Beispiel oder ein nächster Schritt verdient häufig einen neuen Absatz.
  • Aufzählungen mit vollständigen Gedanken verwenden. Nicht „schnell“, „flexibel“, „persönlich“, sondern: „Du erhältst eine klare Rückmeldung zu den drei Stellen, die deine Leser derzeit am meisten ausbremsen.“
  • Fettdruck sparsam einsetzen. Hebe den Nutzen oder die entscheidende Aussage hervor, nicht jedes zweite Adjektiv. Wenn alles betont wird, verliert die Hervorhebung ihre Funktion.
  • Visuelle Anker einbauen. Eine Kundenstimme, ein Ausschnitt aus einem überarbeiteten Text, eine kleine Vergleichstabelle oder ein konkretes Beispiel gibt dem Auge einen neuen Haltepunkt und dem Inhalt mehr Glaubwürdigkeit.

Die oft wiederholte Empfehlung, jede Seite nach einem festen Wort- oder Absatzrhythmus zu zerlegen, ist dabei nur ein Ausgangspunkt. Eine kurze Leistungsseite braucht eine andere Struktur als eine ausführliche Landingpage. Entscheidend ist, ob Leser die Kernfragen in einer sinnvollen Reihenfolge beantworten können:

1. Worum geht es?

2. Für wen ist das Angebot gedacht?

3. Welches Problem wird gelöst?

4. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

5. Warum sollte ich diesem Anbieter vertrauen?

6. Was ist mein nächster Schritt?

Diese Fragen müssen nicht als Überschriften auf der Seite stehen. Sie bilden eher die innere Dramaturgie des Textes.

Scannbarkeit ist kein Bonus, sondern die Eintrittskarte. Wer nicht scannbar schreibt, wird nicht gelesen.

Landingpage-Textfehler korrigieren

Bei einer Landingpage lohnt sich ein eigener Durchgang, weil hier jede Passage eine Aufgabe erfüllen sollte. Prüfe zunächst die Reihenfolge, nicht die einzelnen Kommas.

Steht das Problem früh genug auf der Seite? Wird das Angebot erklärt, bevor mehrere Vorteile aufgezählt werden? Sind die Vorteile tatsächlich aus Kundensicht formuliert oder nur verkleidete Leistungsmerkmale? Kommt der Beleg an der Stelle, an der der Leser skeptisch werden könnte? Und ist der CTA so konkret, dass niemand raten muss, was hinter dem Klick steckt?

Ein häufiger Fehler besteht darin, alle Argumente gleich zu behandeln. Dann folgen auf die Überschrift fünf Vorteile, drei Zertifikate, vier Leistungsbausteine und ein langer Abschnitt über die Unternehmensgeschichte. Der Leser erhält viele Informationen, aber keine Orientierung.

Besser ist eine klare Gewichtung:

  • Ein Hauptproblem, das die Zielgruppe sofort erkennt.
  • Ein versprochenes Ergebnis, das realistisch und verständlich bleibt.
  • Wenige zentrale Vorteile, die dieses Ergebnis erklären.
  • Belege, die deine Behauptungen stützen.
  • Ein nächster Schritt, der zur Entscheidungssituation passt.

Nicht jede Seite braucht ein großes Versprechen. Ein sachlicher Satz wie „Du bekommst eine Website, die dein Angebot in wenigen Abschnitten erklärt und Einwände vor dem Erstgespräch beantwortet“ kann stärker sein als „Wir machen dein Business sichtbar“.

Technisches Tempo gehört zum Lesefluss

Eine letzte, oft übersehene Variable ist die Ladezeit. Auch ein gut geschriebener Text hilft nicht, wenn die Seite langsam aufbaut, wichtige Inhalte verschiebt oder auf dem Smartphone schwer bedienbar ist. Texte hängen am Tempo – am Lesetempo und am technischen Tempo.

Das ist keine Ausrede, jeden Inhalt auf ein Minimum zu kürzen. Es bedeutet, dass Copywriting und Nutzererlebnis zusammengehören. Eine klare Überschrift, ein schneller Seitenaufbau, genügend Weißraum und ein gut sichtbarer nächster Schritt arbeiten gemeinsam. Wenn eines davon nicht funktioniert, muss der Text mehr kompensieren, als er eigentlich sollte.

Was du an deinen Texten zuerst ändern solltest

Du musst nicht die komplette Website neu schreiben. Beginne mit der Seite, auf der bereits echtes Interesse ankommt: der Startseite, einer wichtigen Leistungsseite oder einer Landingpage aus einer laufenden Kampagne.

Lies diese Seite zunächst nicht als Autor, sondern als jemand, der das Angebot zum ersten Mal sieht. Markiere dabei:

  • Sätze, die nur das Unternehmen oder die Methode beschreiben;
  • Begriffe, die ein fachfremder, aber passender Kunde erklären müsste;
  • Versprechen ohne Beispiel, Kontext oder sichtbaren Beleg;
  • CTAs, deren Ergebnis nach dem Klick unklar bleibt;
  • Absätze, in denen mehrere Gedanken miteinander konkurrieren.

Danach wählst du nicht zwanzig Baustellen, sondern drei. Eine gute Reihenfolge ist:

1. Die erste Überschrift und den Einstieg überarbeiten. Der Leser muss erkennen, welches Problem oder Ziel angesprochen wird.

2. Den wichtigsten Leistungsabschnitt aus Kundensicht formulieren. Erkläre nicht nur, was du tust, sondern was dadurch leichter, klarer oder besser bearbeitbar wird.

3. Den nächsten Schritt konkret machen. Beschreibe, was nach dem Klick passiert und welcher Aufwand damit verbunden ist.

Lies die neue Fassung anschließend laut und gib sie, wenn möglich, einer Person, die nicht täglich in deiner Branche arbeitet. Frage nicht nur: „Wie findest du den Text?“ Das führt meistens zu höflichen Geschmacksurteilen. Frage stattdessen: „Was biete ich an?“ „Für wen ist es gedacht?“ „Was passiert, wenn du auf den Button klickst?“ Die Antworten zeigen dir, ob der Text verständlich ist oder nur dir selbst vertraut klingt.

Die Überarbeitung verdoppelt nicht automatisch deine Anfragen. Dafür sind auch die Qualität des Traffics, das Angebot, der Preis, der Zeitpunkt und die Nachfrage verantwortlich. Aber jeder entfernte Stolperstein macht die Entscheidung leichter. Ein Besucher muss dann nicht mehr gleichzeitig dein Fachvokabular entschlüsseln, deine Leistung zusammensetzen und den nächsten Schritt erraten.

Mehr Traffic kannst du später einkaufen. Mehr Vertrauen musst du schreiben.

Häufige Fragen

Warum ist die Ich-Form auf meiner Website oft problematisch?
Die Ich-Form rückt das Unternehmen in den Mittelpunkt, während der Besucher nach einer Lösung für sein eigenes Problem sucht. Eine Website sollte ein Gespräch mit dem Kunden sein, in dem dessen Situation und gewünschtes Ergebnis im Vordergrund stehen.
Wie erkenne ich, ob mein Text zu kompliziert ist?
Ein einfacher Test ist das laute Vorlesen: Wenn du beim Lesen Luft holen, zurückspringen oder Sätze neu ansetzen musst, ist der Text zu schwerfällig. Zudem sollten Fachbegriffe beim ersten Auftauchen in einem Halbsatz erklärt werden.
Wie mache ich meine Leistungsbeschreibungen überzeugender?
Statt nur aufzulisten, was geliefert wird, solltest du die Verbindung zwischen deiner Arbeit und dem Alltag des Kunden aufzeigen. Beschreibe, was sich nach der Zusammenarbeit konkret verändert hat.
Was macht einen guten Call-to-Action aus?
Ein guter Call-to-Action beantwortet drei Fragen: Was passiert beim Klick, was bekommt der Nutzer konkret und welcher Aufwand ist dafür einzuplanen? Er sollte zudem an Stellen platziert werden, an denen eine Entscheidung entsteht.
Wie kann ich Vertrauen ohne leere Werbefloskeln aufbauen?
Ersetze allgemeine Begriffe wie 'kompetent' oder 'individuell' durch nachvollziehbare Belege. Nutze dafür konkrete Zahlen mit Kontext, aussagekräftige Zitate von Kunden oder anschauliche Vorher-Nachher-Beispiele.

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