
Website-Texte ohne Floskeln: 5 bessere Formulierungen
„Authentisch klingen“ – das ist der Satz, mit dem viele Selbstständige ihre Schreibblockade erklären.
In Erstgesprächen begegnet mir diese Formulierung regelmäßig, oft zusammen mit dem Eingeständnis, dass sie einfach nicht wissen, wie sie ihr Angebot beschreiben sollen. Das sind allerdings zwei verschiedene Probleme, die gern zu einem einzigen verklumpt werden.
Wer „authentisch“ sagt und eigentlich meint, sich nicht festlegen zu wollen, landet am Ende bei denselben Texten wie die Konkurrenz. Nicht, weil alle gleich denken. Sondern weil alle gleich schreiben, wenn sie sich nicht trauen, konkret zu werden.
Das ist der Flaschenhals auf vielen Unternehmensseiten: nicht das Design, nicht die Technik, nicht einmal die SEO-Recherche, sondern eine Sammlung leerer Floskeln, die wie ein Grundrauschen jeden klaren Gedanken übertönt.
Warum Floskeln der teuerste Fehler auf deiner Website sind
Eine Floskel ist nicht einfach nur ein unschönes Wort. Sie ist ein Versprechen ohne Inhalt.
„Ihr kompetenter Partner“, „individuelle Lösungen“, „höchste Qualität“: Diese Sätze sagen nichts offensichtlich Falsches. Genau deshalb bleiben sie so gern stehen. Niemand muss sie erklären, niemand kann sich unmittelbar daran stoßen, und niemand im Team fühlt sich mit der Formulierung unwohl.
Nur: Für Leserinnen und Leser entsteht daraus kein Bild. Sie erfahren nicht, was du anbietest, für wen dein Angebot gedacht ist oder welches Problem danach kleiner ist als vorher. Der Platz auf der Website ist trotzdem verbraucht.
Wer seine Website mit Worten füllt, die auch die Konkurrenz schreiben könnte, hat keine erkennbare Marke – sondern nur einen Text, der klingt wie alle anderen.
Das ist nicht nur eine Stilfrage. Menschen entscheiden beim Lesen sehr schnell, ob eine Seite für sie relevant ist. Sie bleiben nicht, weil ein Unternehmen professionell klingt. Sie bleiben, weil sie zügig verstehen, was dieses Unternehmen für sie lösen kann.
Eine gute Formulierung muss dafür nicht laut, originell oder besonders werblich sein. Sie muss zunächst einmal präzise sein. Sie darf sagen:
- für wen das Angebot gedacht ist,
- welches konkrete Ergebnis möglich wird,
- wodurch dieses Ergebnis erreicht wird,
- unter welchen Bedingungen es gilt,
- und was die nächste sinnvolle Handlung ist.
Fehlt diese Information, kann auch ein eleganter Text austauschbar wirken. Das ist der entscheidende Punkt beim Thema Website-Texte: Floskeln vermeiden: Es geht nicht darum, jedes gewöhnliche Wort aus dem Text zu verbannen. Es geht darum, dort genauer zu werden, wo eine allgemeine Behauptung die eigentliche Information ersetzt.
Die fünf Floskeln, die du heute noch von deiner Seite kicken solltest
Die Liste ließe sich verlängern. Diese fünf Formulierungen tauchen jedoch besonders häufig auf – auf Startseiten, Angebotsseiten und in Unternehmensvorstellungen.
| Nr. | Typische Floskel | Warum sie nichts sagt | Bessere Richtung |
|---|---|---|---|
| 1 | „Herzlich willkommen auf unserer Website“ | Verbraucht den wichtigsten Platz, ohne ein Bedürfnis zu wecken | Mit dem Problem, dem Ergebnis oder der Zielgruppe beginnen |
| 2 | „Wir sind Ihr kompetenter Partner für …“ | Behauptet Kompetenz, ohne sie zu zeigen | Beschreiben, wem du bei welchem konkreten Problem hilfst |
| 3 | „Individuelle Lösungen nach Maß“ | Klingt persönlich, liefert aber keinen Anhaltspunkt | Den Prozess, die Auswahl oder das Ergebnis konkret benennen |
| 4 | „Eines der führenden Unternehmen für …“ | Ist eine Selbsteinschätzung und bleibt ohne Beleg leer | Eine nachvollziehbare Leistung, Erfahrung oder Spezialisierung zeigen |
| 5 | „Leidenschaft, Qualität und Innovation“ | Reiht abstrakte Werte aneinander | Erklären, woran sich diese Werte in der Arbeit erkennen lassen |
1. „Herzlich willkommen auf unserer Website“
Ein freundlicher Einstieg ist nicht grundsätzlich falsch. Er ist nur selten der beste Einstieg. Die Person, die auf deiner Startseite landet, weiß bereits, dass sie eine Website geöffnet hat. Du musst sie nicht noch einmal begrüßen, sondern ihr einen Grund geben, weiterzulesen.
Statt mit einer Begrüßung zu starten, kannst du direkt auf einen relevanten Ausgangspunkt gehen:
- „Webtexte für Selbstständige, die ihr Angebot verständlich erklären wollen“
- „Mehr Klarheit auf der Website – ohne marktschreierische Versprechen“
- „Copywriting für Unternehmen, deren Leistungen mehr verdienen als drei Standardfloskeln“
Das sind noch keine fertigen Headlines für jedes Unternehmen. Sie zeigen aber die Richtung: Die Formulierung beginnt beim Leser und nicht bei der Existenz der Website.
2. „Wir sind Ihr kompetenter Partner für …“
„Kompetent“ ist eine Eigenschaft, die fast jedes Unternehmen für sich beansprucht. Als Leser kann ich daraus nicht ableiten, worin diese Kompetenz besteht. Habe ich es mit einer Spezialistin für eine bestimmte Branche zu tun? Mit einem Anbieter, der besonders schnell arbeitet? Mit jemandem, der komplizierte Leistungen verständlich macht?
Die bessere Frage lautet deshalb nicht: Wie kann ich Kompetenz behaupten? Sondern: Woran würde meine Zielgruppe sie erkennen?
Aus „Wir sind Ihr kompetenter Partner für Steuerberatung“ kann beispielsweise eine deutlichere Aussage werden:
- „Steuerberatung für Selbstständige, die ihre Buchhaltung ohne Papierchaos organisieren wollen“
- „Wir helfen kleinen Agenturen, ihre laufenden Steueraufgaben übersichtlich zu planen“
- „Steuerliche Beratung für Unternehmen, die bei Entscheidungen nicht erst mehrere Wochen auf Klarheit warten wollen“
Die Formulierungen sind nicht automatisch gut, nur weil sie konkreter sind. Sie müssen stimmen und zum tatsächlichen Angebot passen. Aber sie geben dem Leser etwas, woran er sich orientieren kann.
3. „Individuelle Lösungen nach Maß“
Diese Floskel entsteht oft aus einer guten Absicht. Unternehmen wollen zeigen, dass sie nicht nach einem starren Schema arbeiten. Das Problem ist: „Individuell“ beschreibt noch nicht, was individuell ist.
Sind die Leistungen modular aufgebaut? Gibt es unterschiedliche Pakete? Wird der Prozess an die Größe des Unternehmens angepasst? Entwickelst du eine Strategie nach einem ausführlichen Briefing? Oder stellst du aus vorhandenen Bausteinen eine passende Kombination zusammen?
Je genauer du den Unterschied erklärst, desto weniger musst du ihn mit dem Wort „individuell“ behaupten.
Aus „Wir entwickeln individuelle Lösungen nach Maß“ wird zum Beispiel:
- „Du erhältst eine Website-Analyse, eine neue Seitenstruktur und konkrete Textvorschläge für deine wichtigsten Angebote.“
- „Wir passen den Beratungsumfang an die Größe deines Teams und die Anzahl deiner Vertriebskanäle an.“
- „Nach dem Briefing erhältst du zwei Textvarianten, die wir gemeinsam auf deine Zielgruppe zuschneiden.“
Hier wird nicht einfach ein Wertwort ersetzt. Die Leistung wird sichtbar gemacht. Genau das macht schlechte Website-Texte besser: Der Leser muss nicht erraten, was hinter dem Versprechen steckt.
4. „Eines der führenden Unternehmen für …“
„Führend“ klingt nach einer Position, die durch andere bestätigt werden müsste. Wenn keine nachvollziehbare Grundlage folgt, bleibt es eine Behauptung. Auch Superlative wie „beste“, „größte“ oder „innovativste“ funktionieren selten als Ersatz für Belege.
Du musst nicht zwangsläufig mit einer großen Kennzahl arbeiten. Oft ist eine Spezialisierung überzeugender:
- „Wir arbeiten ausschließlich mit B2B-Unternehmen aus dem technischen Mittelstand.“
- „Unsere Beratung richtet sich an Selbstständige, die ihr erstes digitales Angebot entwickeln.“
- „Wir konzentrieren uns auf Landingpages für erklärungsbedürftige Dienstleistungen.“
Das wirkt nicht kleiner. Es wirkt klarer. Eine erkennbare Begrenzung kann mehr Vertrauen schaffen als der Versuch, für alle die Nummer eins zu sein.
5. „Leidenschaft, Qualität und Innovation“
Drei abstrakte Substantive ergeben noch keine Haltung. Sie erzeugen bei vielen Lesern nicht einmal Ablehnung, sondern etwas Schwierigeres: Gleichgültigkeit.
Wenn du einen Wert nennen willst, zeige die Handlung dahinter. Was tust du konkret, das für dich Qualität bedeutet? Wie sieht deine Leidenschaft im Arbeitsprozess aus? Worin besteht die Innovation – in der Technologie, im Ablauf, im Produkt oder in einer ungewöhnlichen Kombination?
Aus „Wir stehen für Leidenschaft, Qualität und Innovation“ kann werden:
- „Wir erklären technische Leistungen so, dass auch Nichtfachleute eine Entscheidung treffen können.“
- „Jeder Webtext wird vor der Veröffentlichung auf Verständlichkeit, Suchintention und konkrete Handlungsoptionen geprüft.“
- „Wir entwickeln keine neue Botschaft aus dem Bauch heraus, sondern arbeiten mit den Fragen, die deine Kunden tatsächlich stellen.“
Das ist weniger feierlich. Genau darin liegt die Stärke.
Was diese fünf Floskeln gemeinsam haben: Sie klingen nach Anstrengung, liefern aber keinen Beweis. Begriffe wie Flexibilität, Kompetenz, Professionalität und Tradition gelten in der Texterpraxis als klassische Austauschbarkeitsfloskeln – also als Wörter, die beim Lesen kein inneres Bild erzeugen.
Ein Bild entsteht eher durch eine Zahl, ein Beispiel, eine Handlung, einen Ablauf oder eine konkrete Person. Nicht immer durch eine spektakuläre Erfolgsgeschichte. Oft reicht die genaue Beschreibung dessen, was sonst nur als „Service“ bezeichnet wird.
Warum auch vertrauensbasierte Branchen von konkreten Texten profitieren
Gerade in Branchen, in denen Vertrauen wichtig ist, wird gern besonders vorsichtig formuliert. Eine Versicherungsmaklerin schreibt dann, dass sie sich Zeit für ihre Kundschaft nimmt. Eine Beratung verspricht Verständnis für die individuelle Situation. Ein Finanzdienstleister betont Nähe und Verlässlichkeit.
Nichts davon ist automatisch falsch. Es bleibt nur unklar, wie sich diese Eigenschaften im Kontakt zeigen.
Eine präzisere Formulierung könnte erklären:
- welche Unterlagen vor einem Gespräch benötigt werden,
- welche Entscheidungen gemeinsam vorbereitet werden,
- wie komplexe Optionen verglichen werden,
- für welche Kundengruppe die Beratung besonders geeignet ist,
- oder welcher Teil des Prozesses tatsächlich abgenommen wird.
Das ist der Unterschied zwischen Grundrauschen und Argument. „Wir nehmen uns Zeit“ beschreibt eine Haltung. „Wir besprechen deine bestehende Absicherung anhand deiner aktuellen Lebenssituation und markieren Punkte, die du selbst entscheiden musst“ beschreibt eine Leistung.
Die konkrete Aussage muss nicht spektakulär sein. Sie muss nur etwas sichtbar machen, das vorher verborgen blieb.
Viele Floskeln entstehen dabei nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus zwei sehr menschlichen Mechanismen. Erstens aus Zeitmangel: Wer unter Druck schreibt, greift auf den nächstbesten Satz zurück, der bereits im Kopf gespeichert ist. Zweitens aus Angst vor Angriffen: Eine konkrete Aussage kann hinterfragt werden. „Höchste Qualität“ wirkt dagegen unangreifbar, weil niemand genau weiß, woran sie gemessen werden soll.
Beide Mechanismen lassen sich auflösen. Du brauchst dafür zunächst keine komplette Markenstrategie. Du musst nur entscheiden, welche Aussage du tatsächlich belegen und verantworten kannst.
Die Headline-Formel, die jede Hülse ersetzt
Wenn du nicht weißt, wie du einen Absatz oder eine Startseite beginnen sollst, hilft eine einfache Struktur:
Konkretes Ergebnis für eine bestimmte Zielgruppe – ohne ein typisches Problem.
Diese Formel ist kein Framework, das du auswendig lernen musst. Sie ist eine Eselsbrücke für den Moment, in dem du wieder in die Floskel-Falle rutschst.
Aus „Wir bieten maßgeschneiderte Beratung“ könnte beispielsweise werden:
Steuerberatung für Selbstständige, die ihre Buchhaltung ohne unnötiges Papierchaos organisieren wollen.
Die Formulierung ist noch nicht für jedes Angebot passend. Aber sie beantwortet bereits drei Fragen: Wer ist gemeint? Worum geht es? Welches Problem soll kleiner werden?
Du kannst die Formel auch anders füllen:
- Webtexte für kleine Unternehmen, die ihr Angebot verständlich erklären wollen.
- Pinterest-Strategien für Selbstständige, die langfristig Reichweite aufbauen möchten.
- Copywriting für Dienstleistungen, deren Nutzen sich nicht in einem Satz erklären lässt.
Wenn du das Ergebnis nicht beziffern kannst, musst du nicht sofort eine Zahl erfinden. Ein Ergebnis kann auch in Klarheit, Orientierung, Zeitersparnis, weniger Rückfragen oder einem einfacheren Ablauf bestehen. Wichtig ist, dass du den konkreten Unterschied benennst.
Was eine konkrete Nutzenaussage im Vergleich zum Feature-Listing leistet, zeigt ein von Udo Gast angeführtes Beispiel: Eine Software mit vielen Funktionen bleibt als Beschreibung abstrakt. Eine Aussage darüber, dass die Software im Alltag Zeit spart und dadurch Raum für Kundenarbeit schafft, macht den Nutzen dagegen unmittelbar verständlich.
Der Unterschied liegt nicht darin, dass das zweite Beispiel werblicher klingt. Es übersetzt eine Produkteigenschaft in eine Auswirkung auf den Arbeitsalltag.
Eine Funktion erklärt, was dein Angebot kann. Ein Nutzen erklärt, was dadurch für deine Kunden leichter, schneller oder klarer wird.
Das gilt für Software genauso wie für Beratung, Design, Coaching oder handwerkliche Dienstleistungen. Leserinnen und Leser kaufen selten eine Funktion an sich. Sie kaufen die Veränderung, die sie sich davon versprechen.
Feature oder Nutzen? Der kleine Übersetzungsschritt
Viele Unternehmen kennen ihre Leistungen sehr genau. Sie wissen, welche Module ein Angebot enthält, welche Methoden eingesetzt werden und wie der interne Ablauf funktioniert. Genau deshalb schreiben sie oft aus der Anbieterperspektive.
Das Ergebnis klingt dann so:
- „Wir bieten ganzheitliche Betreuung.“
- „Unsere Plattform verfügt über zahlreiche Funktionen.“
- „Wir arbeiten mit einem modernen, datenbasierten Ansatz.“
- „Unsere Beratung umfasst Strategie und Umsetzung.“
Der nächste Schritt ist die Übersetzung in den Alltag des Kunden:
- Was muss die Person danach nicht mehr selbst erledigen?
- Welche Entscheidung kann sie leichter treffen?
- Welcher Fehler wird unwahrscheinlicher?
- Was wird schneller, übersichtlicher oder planbarer?
- Woran merkt sie nach der Zusammenarbeit, dass sich etwas verändert hat?
Aus „ganzheitlicher Betreuung“ kann eine Beschreibung des tatsächlichen Ablaufs werden. Aus „zahlreichen Funktionen“ eine Erklärung, welche wiederkehrende Aufgabe dadurch entfällt. Aus „datenbasiertem Ansatz“ eine Aussage darüber, welche Daten wofür genutzt werden und was der Kunde davon hat.
Diese Übersetzung ist einer der wichtigsten Schritte im Copywriting. Sie macht aus einem internen Leistungsbegriff eine verständliche Aussage nach außen.
Drei Wenn-dann-Szenarien aus der Praxis
Wenn-dann-Szenarien helfen mehr als ein weiteres abstraktes Schreibmodell, weil sie die Entscheidung auf konkrete Situationen herunterbrechen.
Wenn deine Hauptzielgruppe aus kaufkräftigen B2B-Kunden besteht, dann funktionieren nüchterne Aussagen meist besser als warme Allgemeinplätze. In diesem Umfeld wollen Entscheiderinnen und Entscheider oft schnell erkennen, ob du ihre Branche, ihre Abläufe und ihre relevanten Risiken verstehst. Eine Headline wie „Wir denken Marketing neu“ bleibt dafür zu weit offen. Eine Aussage über die konkrete Aufgabe, die du übernimmst, ist hilfreicher: etwa die Strukturierung einer komplexen Website, die verständliche Darstellung technischer Leistungen oder die Gewinnung qualifizierter Anfragen.
Die Headline muss dabei nicht den gesamten Verkaufsprozess erklären. Sie muss nur die richtige Tür öffnen.
Wenn du in einer Branche arbeitest, in der Vertrauen das größte Kaufhindernis ist, dann gehört ein konkreter Fall oder Ablauf möglichst früh in den Text. Das kann anonymisiert und sachlich geschehen. Du musst keine dramatische Erfolgsgeschichte erzählen. Beschreibe lieber, mit welcher Ausgangslage ein typischer Kunde zu dir kommt, welche Entscheidung ansteht und wie du ihn dabei unterstützt.
„Wir verstehen Ihre Situation“ ist eine Behauptung. Eine Beschreibung der Situation macht Verständnis erkennbar.
Wenn du ein erklärungsbedürftiges Produkt verkaufst, dann ist die Problem-Headline oft stärker als die Lob-Headline. „Hochwertige Hautpflege aus deutscher Manufaktur“ kann zutreffen, bleibt aber offen. Eine Formulierung, die ein konkretes Hautproblem und die gewünschte Orientierung anspricht, führt näher an die Such- und Lebenssituation der Zielgruppe heran.
Dabei solltest du keine Wirkung versprechen, die du nicht belegen kannst. Gerade bei Gesundheit, Finanzen und anderen sensiblen Themen ist präzise Sprache auch eine Frage der Verantwortung. Ein guter Text macht das Angebot verständlich, ohne aus einer Möglichkeit eine Garantie zu machen.
Die Logik dahinter: Nicht jeder Absatz braucht dieselbe Struktur. Aber jeder Absatz braucht eine erkennbare Aussage. „Schnell“, „einfach“ und „unkompliziert“ sind keine Ergebnisse, solange du nicht erklärst, woran der Leser diese Eigenschaften bemerkt.
So verbesserst du schlechte Website-Texte, ohne alles neu zu schreiben
Eine komplette Neufassung ist nicht immer nötig. Oft liegt das Problem nicht in jedem einzelnen Satz, sondern in den Stellen, an denen der Text ausweicht.
Markiere beim ersten Durchgang alle Wörter, die eine positive Eigenschaft behaupten:
- kompetent,
- professionell,
- flexibel,
- innovativ,
- hochwertig,
- individuell,
- zuverlässig,
- persönlich,
- nachhaltig,
- ganzheitlich.
Dann frage dich bei jedem Treffer: Woran würde eine fremde Person das konkret erkennen?
Aus „persönlicher Beratung“ kann ein fester Ansprechpartner werden. Aus „flexiblen Lösungen“ eine Auswahl aus klar beschriebenen Varianten. Aus „zuverlässigem Service“ eine erreichbare Kontaktmöglichkeit oder ein transparenter Ablauf. Aus „hochwertigen Texten“ eine Beschreibung der redaktionellen Arbeit und ihrer Qualitätsmerkmale.
Du musst das abstrakte Wort nicht immer löschen. Manchmal ist es als Zusammenfassung sinnvoll. Es sollte nur nicht die einzige Information im Satz sein.
Ein brauchbares Muster lautet:
Behauptung plus sichtbarer Beleg.
Zum Beispiel:
- „Persönliche Beratung: Du arbeitest vom ersten Briefing bis zur Überarbeitung mit derselben Ansprechpartnerin.“
- „Flexible Betreuung: Du kannst einzelne Seiten beauftragen oder die komplette Website überarbeiten lassen.“
- „Verständliche Webtexte: Fachbegriffe werden nicht einfach gestrichen, sondern so erklärt, dass deine Zielgruppe eine Entscheidung treffen kann.“
So bleibt die gewünschte Eigenschaft erhalten, bekommt aber ein Fundament.
Dein Selbsttest in 15 Minuten
Du brauchst keine mehrwöchige Copywriting-Reise, um die größten Floskeln auf deiner Website zu finden. Ein kurzer, konzentrierter Durchgang reicht als Anfang.
1. Lade deine Startseite auf dem Handy. Lies nur die Headline und den ersten sichtbaren Abschnitt. Verstehst du sofort, für wen das Angebot gedacht ist und worum es geht? Wenn nicht, liegt das Problem wahrscheinlich nicht am fehlenden Feinschliff, sondern an der fehlenden Aussage.
2. Lies den ersten Absatz laut vor. Hörst du konkrete Tätigkeiten, Ergebnisse und Zielgruppen – oder vor allem Adjektive? Ein Text voller Eigenschaften braucht meist mehr Beispiele und weniger Behauptungen.
3. Suche nach Austauschbarkeitswörtern. Markiere Kompetenz, Leidenschaft, Innovation, Qualität, Service, Professionalität, Flexibilität und Tradition. Jeder Treffer ist ein Kandidat für die Überarbeitung, aber nicht automatisch ein Löschkandidat.
4. Prüfe die Anbieterperspektive. Wie viele Sätze beginnen mit „Wir bieten“, „Wir sind“, „Wir stehen für“ oder „Wir möchten“? Formuliere einige davon aus der Sicht der Zielgruppe neu. Nicht jeder Satz muss mit „du“ beginnen. Die Perspektive sollte aber zeigen, warum die Information für den Leser relevant ist.
5. Suche nach Belegen. Gibt es Beispiele, Abläufe, Ergebnisse, Grenzen oder konkrete Entscheidungshilfen? Wenn nicht, bleibt der Text wahrscheinlich auf der Ebene allgemeiner Versprechen.
6. Achte auf mobile Lesbarkeit. Lange Absätze werden auf kleinen Bildschirmen schnell zu einer Wand. Teile nicht mechanisch nach einer bestimmten Zeilenzahl, sondern immer dort, wo der Gedanke wechselt. Ein Absatz sollte eine Aufgabe haben: ein Problem benennen, einen Nutzen erklären oder einen Einwand beantworten.
7. Streiche die Begrüßung, wenn sie keinen Zweck erfüllt. „Herzlich willkommen“ kann bleiben, wenn es zu einer persönlichen Marke oder einem bestimmten Kontext gehört. Auf einer geschäftlichen Startseite sollte es aber nicht den Platz besetzen, an dem die zentrale Orientierung fehlt.
Was übrig bleibt, ist nicht automatisch ein fertiger Text. Aber du erkennst, wo der Text vorher nur freundlich geklungen hat, ohne etwas zu erklären.
Kreative Website-Texte formulieren, ohne künstlich originell zu werden
Der Wunsch nach kreativen Website-Texten führt manchmal in die nächste Falle. Wer alle Standardformulierungen vermeiden will, ersetzt sie durch Wortspiele, Metaphern oder besonders ungewöhnliche Bilder. Das kann funktionieren. Häufig lenkt es aber nur davon ab, dass das Angebot weiterhin unklar bleibt.
Kreativität im Webtext bedeutet nicht, jede Leistung mit einem überraschenden Bild zu versehen. Sie kann auch darin liegen, eine bekannte Situation genau zu beobachten und treffend zu beschreiben.
Statt „Wir bringen frischen Wind in Ihre Kommunikation“ könntest du den Zustand benennen, den deine Kundschaft kennt:
- „Deine Leistungen sind gut – aber auf der Website versteht niemand, warum.“
- „Wenn jede Unterseite anders klingt, wird selbst ein gutes Angebot schwer vergleichbar.“
- „Deine Kunden müssen nicht mehr über dein Angebot wissen. Sie müssen es schneller verstehen.“
Das ist nicht laut. Es ist aber näher an der tatsächlichen Entscheidungssituation.
Ein guter Test für kreative Formulierungen lautet: Bleibt nach dem ersten Lesen eine klare Information zurück? Wenn nur ein originelles Bild hängen bleibt, aber nicht klar wird, was du anbietest, war die Kreativität an der falschen Stelle.
Die Frage, die du dir stellen solltest
Viele Selbstständige fragen sich am Ende, ob ihr Text authentisch genug klingt. Das ist meist die falsche Frage – und sie kostet mehr Nerven, als eine einzelne Floskel je könnte.
Authentizität ist keine Zutat, die du oben auf den Text streust. Sie entsteht oft ganz automatisch, wenn du die allgemeinen Behauptungen entfernst und beschreibst, wie du tatsächlich arbeitest. Wer „Leidenschaft“ sagt, hat vielleicht eine konkrete Beobachtung über das eigene Handwerk. Wer „Qualität“ verspricht, kann vielleicht erklären, welche Prüfung, welchen Anspruch oder welchen Ablauf damit gemeint ist.
Die entscheidende Frage lautet:
Weiß mein Leser nach diesem Absatz mehr als vorher – und zwar so, dass er einschätzen kann, ob mein Angebot zu ihm passt?
Wenn ja, erfüllt der Absatz eine Funktion. Wenn nein, gehört er überarbeitet. Nicht unbedingt komplett neu geschrieben. Aber so lange, bis aus einer Eigenschaft eine Information wird.
Website-Texte ohne Floskeln müssen nicht trocken werden. Sie dürfen persönlich, warm, pointiert und eigenwillig klingen. Nur sollten sie nicht versuchen, Klarheit durch Haltungssprache zu ersetzen.
Wer beginnt, weniger zu beschreiben und genauer zu zeigen, merkt schnell, wie viel ruhiger eine Website werden kann. Und wie viel stärker sie dadurch wirkt. Nicht mehr Worte machen einen Text überzeugend, sondern die richtigen Worte an den Stellen, an denen eine Entscheidung vorbereitet wird.
Wenn du also wissen willst, welche Formulierungen auf deiner eigenen Seite zuerst überarbeitet werden sollten, lies die Startseite nicht als Autorin oder Autor. Lies sie als jemand, der dein Unternehmen noch nicht kennt.
Wo muss diese Person raten? Wo könnte sie denselben Satz auf fünf anderen Websites finden? Und an welcher Stelle wird endlich klar, was nach der Zusammenarbeit anders ist?
Dort beginnt die Überarbeitung.